nach Fjällbacka -- aber langsam!

Beim Frühstück auf den Tistlarna hatte unser Kocher den Dienst verweigert: beide Brenner, es gab noch nicht mal Kaffee oder Tee zum Frühstück. Ein zeitraubender aber erfolgloser Reparaturversuch veranlasste uns bei annähernder Flaute schnellstens nach Göteborg zu fahren (Motor: ihhh!!) um dort wenigstens einen neuen Brenner zu kaufen. Wir haben viele Ausrüster besucht: erfolglos denn Petroleumkocher sind anscheinend komplett aus der Mode! Allerdings waren weitere Reparaturversuche hinreichend erfolgreich, dass wir vom Kauf eines Spirituskochers absehen konnten. Am Tag unserer Ankunft in Göteborg Långedrag verabschiedete sich das windarme warme Wetter und ab dem nächsten Morgen blies es, was das Zeug hielt -- knapp eine Woche lang. Selbst bei 15° bis 16° ist Långedrag ein relativ guter Platz um eingeweht zu werden: die Leute dort sind sehr nett, die Sanitäranlagen sehr gepflegt und, wenn man das nötige Kleingeld besitzt, steht sogar ein Privat-Helikopter zur Verfügung. Wir nutzten die Zeit für Landgänge und um einen Abend und einen Nachmittag mit Angelika und Otto von der "Blänke" zu verquatschen: höchst angenehm! Außerdem gab es immer etwas zu sehen: Akrobaten auf 49ern, kleine Jungs, manchmal höchst professionell auf Tour mit Vater und noch kleinerer Schwester und natürlich auch Besuch von Familie Eiderente.
Mit einer ganz guten Wetter-vorhersage von SMHI für die Küste nördlich Göteborgs aus dem Internet verließen wir die Sicherheit des Hafens nach 6
Nächten gegen halb elf und trödelten zunächst um Hisingen herum, an Robbenfelsen vorbei zwischen den Inseln nach Norden. Als wir den Schärengürtel verließen um etwas schneller nach Norden zu kommen, kam etwas Wind auf und wir erreichten Måseskär nach reletiv kurzer Zeit. Dann frischte es auf und wir bekamen die volle Ladung der 4 % vorhergesagten westlichen Winde von mehr als 10 m/sek ab. La Guagua wurde schnell (max. 13,3 kn) und Sabine richtig nass. Wir waren heilfroh, als wir gegen sieben in der Nähe von Mollösund ankern und Sabine die nassen Klamotten ausziehen konnte.
Der Ankerplatz war voller See-Spaghetti, dieses ekelhafte Zeug hängt dick um die Ankerleinen herum und ist kaum abzureißen -- das gute alte Arbeitsmesser muss her. Grau war es obendrein. Später klarte es auf, wir konnten teilweise mit Gennaker fahren und die Fahrt nach Smögen war ruhig und kühl. Beindruckend ist für uns immer wieder der Ölhafen im Brofjorden, mitten in wunderbarer Schärenlandschaft
richtig große Tanker. In Smögen bekamen wir einen prima Liegeplatz und das Spiegelgespenst tanzte in Sabines "Kammer". Der Landgang fiel relativ kurz aus, da für den Nachmittag zunehmender Wind vorhergesagt war. Als wir dann halb zwei abfuhren, hatten wir das zweifelhafte Vergnügen gleich in einen ordentlichen Drücker aus SW hineinzufahren und uns mit einem Affenzacken raumschots mit durcheinanderlaufender See durch die erste Enge zu quetschen -- die ist rund 100 m breit. Später, im freien Wasser hatten wir wohl bis zu 2 m hohe Seen. Das machte das Steuern zwar nicht gerade einfach, aber das Boot blieb trocken, da die Seen von schräg achtern kamen. Etliche Tonnen und Baken kennzeichneten Klamotten in dieser steinreichen Gegend, aber nach zwei Stunden fuhr Sabine mit Rauschefahrt durch die Enge bei Erikskär in den Schärengürtel bei Fjällbacka ein -- ohne eine einzige Schäre zu beschädigen. Die letzte Meile zu einem guten Ankerplatz auf der Nordseite von Stensholmen fuhren wir dann unter Motor. Nach Ankunftsdrink, -snack und Abendessen: Landgang mit dem Beiboot. Ich hatte mich bereits über den Eintrag "Graveyard" auf der Karte gewundert: ein Soldatenfriedhof für
13 tote Deutsche aus der Skagerrakschlacht 1916 -- unter ihnen Johann Kinau "Gorch Fock". Und heute treiben sich deutsche Soldaten schon wieder überall herum:
Die von uns gewählten Politiker und ihre WählerInnen haben offensichtlich aus den vergangenen Kriegen nichts gelernt -- sehr schade!

Es wäre an der Zeit!

Abgesehen von den steinernen Zeugen deutscher Geschichte ist Stensholmen eine schöne Schäre: Die vorwiegende Farbe grau der Felsen wird unterbrochen durch eine Vielzahl wunderschöner Blüten, unter ihnen sind besonders die großen Glockenblumen eine Pracht.Auch die weißen Hinterlassenschaften der Gourmet-Möwen setzen einen farblichen Akzent.
Spaghetti con Scampi a la Michi M. für 4 Personen Sehr zu empfehlen !

500 Gramm Spaghetti
400 Gramm geschälte Garnelen (möglichst auch den schwarzen Darm herausziehen;!)
500 Gramm Tomaten in großen Stücken
1 Knoblauchzehe
1 Bund Petersilie
½ Zwiebel
Olivenöl extra vergine
Salz q.b.

Lasst es euch schmecken!!!
Zuerst die Pfanne erwärmen, dann reichlich Olivenöl dazugeben und die fein gehackte Zwiebel braten bis alles eine goldgelbe Farbe erhält. Die Tomaten schälen (dazu ein feines Messer benutzen oder die Tomaten 5-10 Sekunden im kochenden Wasser schocken, da lässt sich die Haut fein abziehen), entkernen und in große Stücke schneiden und ins Öl geben. Ebenfalls den Knoblauch in kleine Stücke schneiden und in die Pfanne rein. Sobald die Tomate welk wird, reichlich Würzen mit Salz und Pfeffer. Anfangs ist die Flamme für einige Zeit groß unter Rühren, dann unter kleiner Flamme fertig kochen für etwa 20 Minuten. Erst jetzt werden die geschälten Garnelen dazu gegeben und etwa ein paar Minuten auf der kleinen Flamme gelassen, am Ende kommt noch die fein gehackte Petersilie dazu.
Die Spaghetti werden in einem großen Topf ins kochende und gesalzene Wasser mit den angegeben Minuten (-1 Minute, denn die Nudeln kochen hinterher nach und sind dann zu weich!); das Ganze dann in der Pfanne schwenken.
Genau an diesem Traum-Ankerplatz, kurz vor einem erstklassigen Essen verabschiedete sich mal wieder der Kocher und war noch nicht einmal bereit, das Wasser für die Spaghetti auf Temperatur zu bringen. Also abkühlen lassen, Petroleum abzapfen und mit der Demontage beginnen. Mittlerweile habe ich den Eindruck, zu wissen, wo das Problem steckt: Am Anschluß des Brenners an den Tank befindet sich eine Rolle aus ganz feinem Drahtgeflecht -- vermutlich ein Filter. Diese Rolle war so verschmutzt, dass sie kaum zu entfernen war. Ich habe dann einen Teil des Drahtgeflechts abgeschnitten, den Rest in Spiritus gewaschen und wieder eingesetzt. Auch die Öffnung zum Brennerinneren machte einen total verstopften Eindruck. Ich habe sie, soweit ich das konnte, von Ablagerungen
befreit und auch die Spindel des Absperrventils gezogen und Verunreinigungen entfernt (800er Papier). Nach dem Zusammenbau stellte sich bei dem mit Spannung erwarteten Test heraus, dass der Kocher (zumindest der rechte Brenner) so gut funktioniert hat, wie schon lange nicht mehr. Irgendwann werde ich auch den anderen Brenner bearbeiten, denn ich denke, dass ich mittlerweile die Teile und vielleicht sogar die Arbeitsweise des Optimus Primus verstanden habe.
Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Yttre Tistlarna 04.07.15 14:20
Ankunft Fjällbacka 15.07.15 11:25
Motor Segel max. Fahrt
diese Etappe 19 sm 85 sm 13,3 kn
gesamt 41 sm 311 sm 14,0 kn