Segeln: Katamaran "La Guagua" 2010: nach Ålborg

von Sakskøbing nach Ålborg

zum Reisebeginn

Sollte Topfschlagen als olympische Disziplin eingeführt werden, so würden wir uns um die Teil-nahme bewerben. Wir meinen, uns mit unserem Trip nach Hals dafür qualifiziert zu haben: Winde zwischen 0 und 6 Bft. aus fast allen Richtungen rund um den Kompass --- und wir sind trotzdem angekommen: Das nennen wir Leistungs-Topfschlagen !!
Den Wagen in Hamburg zu packen war eine schweißtreibende Arbeit! Auf dem Weg nach Däne-mark fing es bei Heiligenhafen an zu regnen und beim Auspacken und Beladen des Bootes war es eher kühl. Im Kragevik Skov (immer wieder schön) pflückten wir einen Strauss Lupinen für unsere Seereling (Fass anstecken einmal anders herum). Am Montag schien uns das Wetter günstig und bereits um 08:36 verließen wir unseren Liegeplatz mit Ziel Limfjord. Für die gut 8 sm vom Segelsetzen bei Øreby bis Avernakke benötigten wir etwas mehr als drei Stunden: Ein viel versprechender Start: wir würden viel Zeit brauchen. Als wir den großen Belt erreichten, hatten

wir wieder einmal Gele-genheit, mehr oder weni-ger formschöne Schiffe zu betrachten bevor Rasmus ein Einsehen hatte und uns halb sechs unter der Belt-Brücke hindurch blies. Die in unterschied-lichen Winkeln in den Himmel ragenden ge-schwungenen Brücken-pfeiler legen zunächst nahe, dass Gaudí wesent-lich an ihrer Konstruktion beteiligt war. Aus der Nähe betrachtet er-scheint dann aber doch alles recht kantig und und als zweckmäßiges Bau-werk ohne entbehrliche Schnörkel, unter dem

sogar große Schiffe hindurch fahren können. Nördlich der Brücke, die im Abendlicht recht filigran wirkte, trödelte der

Wind ein wenig herum, legte noch einmal etwas zu und half uns auf

einen wunderbar geschützten Ankerplatz auf der Nordseite der Bucht von Kerteminde. Der nächste Tag brachte wechselnde, weit überwiegend flaue Winde mit gelegentlichen Böen, die uns hoffen ließen, Langør auf Samsø noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen zu können. Gegen halb neun warfen wir diese Hoffnung bei einer Wende außenbords und fuhren eine halbe

Meile zurück nach Ballen/Samsø. Dort gingen wir an der "Jan Rap" längs-seite. Dies ermöglichte uns, am nächsten Morgen bereits um acht abzufahren (da wollten auch die beiden von der "Jan Rap" los). Das war eigentlich ein recht nettes Paar, aber dass uns bei gutem Wind bis Grenå ein Einrumpf-boot (J 35) rund 5 sm abnahm, nagte natürlich fürchterlich an Gun's Ego.

Aber das wußte er ja noch nicht, als wir die schöne Landschaft genossen, während wir zwischen Hjelm und Jütland hindurch nahe der Küste unter Blister nach Norden fuhren (... obwohl es ja auch ein schöner Tag für Motorboote mit Stabantenne war). Ab Åls-

rode (bei Grenå, nicht

zu verwechseln mit Wals-rode bei Hannover) wurde der Wind sehr unruhig und wir mußten den Blister

wegnehmen. So dauerte es eine ganze Weile, bis wir uns Fornæs näherten. Als die Fähre auslief legte der Wind wieder zu und erst nach einiger Zeit war sie so weit an uns vorbei, dass wir mit rauschender Fahrt nach Westen um die Ecke fahren konnten -- dann blieben wir in der Flaute liegen. Es kam die übliche Unsicherheit, ob es wirklich so schlau war, an Grenå vorbei zu fahren. Die Zweifel wurden selbstvertsändlich sofort mit der Überlegung beiseite gewischt, dass es ja auf halbem Wege nach Hals auch noch den Randers- und den Mariagerfjord gebe. Nach angemessener Zeit des Dibberns kam der Wind zurück: aus westlichen Richtungen und einigermaßen

heftig. Um nicht langsam gegen die zunehmende See stampfen zu müssen (dann würden wir Hals an diesem Abend niemals schaffen), wendeten wir um zunächst an der Süd- und später an der Westküste der Ålborg Bucht in die Seeabdeckung zu kommen, denn wir wollten ja nicht -- wie der alte Schwede -- nach Osten. Das war eine gute Idee: die See nahm ab und die letzten 3 Stunden liefen wir mit halbem Wind fast ständig über 10 kn. So erreichten wir Hals Barre noch bei gutem Licht und konnten kurz vor elf an einer Tonne der Dansk Seijlunion festmachen: höchst komfortabel !!
Der nächste Morgen sah nicht ganz so aus, wie wir uns einen idealen Segeltag vorstellen: bedeckt, wenig Wind mit Vorhersage von Böen 5 Bft. aus westlichen Richtungen mit einer geringen Südtendenz, also auf jeden Fall irgendwie gegenan. Gegen halb drei verließen wir die Tonne, fuhren unter Segeln recht langsam nord-wärts zwischen den Flachs hindurch um bei Hals in's Fahrwasser einzulaufen.

Die kleine Fähre aus Hals hatte kurz vorher in Egense festgemacht -- freie Bahn: wir begaben uns auf die Kreuz. Der Limfjord zwischen Ostsee und Ålborg hat einen ausgeprägt u-förmigen Querschnitt. Das Fahrwassser ist in der Mitte fast stets tiefer als 10 m und hat sehr steile Ränder, sodass meist bei erreichen von 8 m gewendet werden muss; im Scheitelpunkt der Wende (bei uns also 15 m weiter) beträgt die Wassertiefe dann meist weniger als 6 m; anschließend gibt es noch einen breiten Flachwasserstreifen mit Tiefen von weniger als 2 m, der für uns unbenutzbar ist. In solchen Gewässern fahren wir nach Echolot: Sabine steuert und Gun macht den Rest. Alle paar Minuten wird gewendet, denn der Weg von Ufer zu Ufer ist nicht recht weit. Höchst ärgerlich war eine versaute Wende, nach der wir mit einer Halse der "Motti" aus Leer, geschoben von der "Mega" aus St. Johns/ Antigua (muss hier irgendwo um die Ecke sein) aus dem Weg fahren mußten.

Nachdem wir den riesenhaften Mobilkran (Sørens großer Bruder ?) auf der Bb.-Seite bestaunt und uns über die Vattenfall-Windkraft-Deko auf der Steuerbordseite gefreut hatten, kam Ålborg in Sicht.

Beim ersten Anblick stellte sich wieder mal die Frage, ob es so sinnvoll war, ausgerechnet nach Ålborg zu fahren -- wer will seinen Urlaub schon gern im Industriegebiet verbringen? Wir beendeten diese Be-trachtungen relativ schnell, denn es war Zeit, die Segel wegzunehmen, wenn wir die Sechs-Uhr-Öffnung der Limfjordbroen noch erreichen wollten, statt aus lauter Purismus noch eine Stunde länger kreuzen. Wir erreichten die Brücke pünktlich und kurz darauf konnten wir auch die Eisenbahnbrücke passieren. In der Gegend der Aquavit-Destille (scheint zwischenzeitlich Pernod-Ricard zu gehören) ändert sich der Charakter der Bebauung und man merkt, dass es vielleicht doch eine gute Idee ist, die Stadt anzusteuern. Auch auf der Stb.-Seite ist es gelungen, alt und neu attraktiv zu verbinden. Es wäre allerdings kein

Fehler, dem ehemaligen Silo als dominantem Gebäude noch eine kräftige Farbe zu verpassen (meinen wir !!). Kurz vor sieben waren wir an der erstklassigen Pier der Fjordpark Marina fest und konnten die dicken Klamotten verlassen (Sommer, 14°C !!)

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Sakskøbing 14.06.10 08:36
Ankunft Ålborg 17.06.10 18:50
Motor Segel max. Fahrt
diese Etappe 8 sm 205 sm 13,4 kn
bisher 8 sm 205 sm 13,4 kn
Hafeninfo Ålborg
Liegeplatz Fjordparkmarina / Ålborg Seijlklub
Liegegeld Frihavn: DKR 40
Übrige: < 12 m DKR 120
Kassierung morgens am Liegeplatz
Strom am Steg und Duschen inclusive
Internet nicht vom Seijlklub, aber anderes ungesichertes Netz erreichbar
Blumenvase mit Lupinen an der Seereling
südgehender Tanker im großen Belt
Beltbrücke aus Südwest
Beltbrücke, W-Pylon aus West
nordgehender Passageier unter der Beltbrücke
Beltbrücke aus Nordwest am Abend
La Guagua nordöstlich von Kerteminde am Anker
Hjelm an Stb. quer
südgehendes Motorboot mit Stabantenne
Küste südlich Grenå
Grenå aus Ost
nordostgehende Fähre nach Auslaufen Grenå
ostgehender Dreimastschoner in der Ålborg Bugt
Festmachertonne der Dansk Sejl Union bei Hals
Hals aus Südwest
Fähranleger Egense aus Nordwest
ostgehender Schubverband in östlichen Limfjord
Mobilkran zur Verladung von Rotorblättern nahe Ålborg
Kohlekraftwerk von Vattenfall mit Windrotoren
Ålborg aus Nordost
Aquavit -- The Sprit that made Ålborg Famous!
Norreby gegenüber Ålborg auf der Nordseite des Limfjords