Segeln: Katamaran "La Guagua" 2009: nach Sakskøbing

von Göteborg nach Sakskøbing

zum Reisebeginn

Als wir an dem regnerischen Morgen nach Abfahrt von Göteborg einen Rahsegler hinter einer Insel in Sicht bekamen, dachten wir zunächst, wir hätten die Schatzinsel erreicht und das Schiff von Captain John Silver vor uns. Deshalb waren wir natürlich erleichtert, als wir die deutsche Flagge am

Heck sahen und ein Stückchen weiter den Leuchtturm von Valö. Kein Freibeuter, sondern Freizeitler wie wir.

Francoise und Bengt kennen wir seit vielen Jahren. Sie haben ein Sommerhaus (mit

herrlichen Brombeeren) bei Vallda. Um sie zu besuchen, fuhren wir dorthin und hatten einen angenehmen Abend mit gutem Essen: u.a. Shrimps (das ist ja was für Sabine) und erstklassigem französischen Weißwein. Das Boot hinter uns wurde von Sophia und Jan mit ihren Kindern Phillip und Alice als Sommerhaus genutzt. Wir freundeten uns ein wenig an, und sollen uns bei der nächsten Westschwedenreise bei

ihnen melden. Sabine pflückte einen schönen Strauss Blumen, bevor wir

Vallda-Sandön mit Ziel Jönsson's Konditoriet verließen. Diese Konditorei mit den allererstklassigsten Himbeer-törtchen liegt ein paar Meilen weiter die Küste runter in Gottskär auf der West-seite des Kungsbacka Fjords. Außerdem

gibt es dort große, interessante, allerdings nicht immer schöne (weil bisweilen protzige) Häuser zu sehen. Aber: auch schöne Blüten und Details fehlen nicht ...

Schnell noch ein Blick in den Spiegel und dann weiter, Richtung Süden; der Wetterbericht scheint günstig für Torekov. Jedes Mal, wenn wir an der schwedischen Westküste an den Robbenfelsen beim Vendelsöfjord vorbei kommen, wissen wir, dass es für dieses Jahr mit den Schären vorbei ist. Vielleicht sehen wir noch irgendwo ein paar Felsen -- aber mit der Schärenwelt, ihrer Vielfalt und den großartigen Liegemöglichkeiten ist Schluss. Den Robben, bewacht von Kormoranen, ist das völlig egal: manchmal hebt eine schwerfällig den Kopf, aber nicht eine einzige hat uns gewunken -- das fanden wir nicht nett -- andererseits hatten wir aber auch nichts anderes erwartet von diesen tollen SchwimmerInnen, die an Land eher aussehen wie gefüllte Tintenfische (bevor sie in die Pfanne kommen).

Kurz nach Falkenberg hatte der Wind keine Lust mehr und wir entschie-den uns nach kurzer Überlegung für Skallkroken. Dort sind wir vor mehrern Jahren einmal in der Nacht eingelaufen (ebenfalls bei Flaute) und so wußten wir, dass die Ansteuerung bei genauem Einhalten der Richtfeuerlinie unproblematisch, der Hafen für uns aber recht eng ist. Der freundliche Hafenmeister wies uns einen Platz unter dem Masten-kran an "Für eine Nacht geht das" -- höchst komfortabel! (für SEK 120) incl. Strom. Nachdem wir unser Tagesziel nicht erreicht hatten, be-

schlossen wir, Torekov links liegen zu lassen und stattdessen nach Mölle an der Südseite des Kullen zu gehen. Kurz nach dem Auslaufen war neben den Sicherheitsgurten auch Ölzeug angesagt: es gab tiefe Schlaglöcher, einige Male schöpften wir kräftig Wasser und auch als Springbrunnen hätte sich La Guagua recht gut gemacht -- bis kurz vor Torekov; dann begab sich der Wind zur Ruhe und wir begannen zu überlegen, ob Torekov nicht doch das geeignete Ziel sei -- Wankelmut gibt es bei uns nicht!! Ganz kurz vor Torekov gab es

dann einen ersten Drücker aus Südost mit 6 Bft.; reffen und klären ob wir weiterfahren oder in Torekov bleiben. Es blieb dann bei Mölle -- wie wir vorher schon zum Aus-druck brachten: Wankel-mut gbt es bei uns nicht.

Um die Westspitze des Kullen herum stand eine ekelhafte See, die es fraglich erscheinen liess, ob wir überhaupt nach Mölle hinein könnten oder vielleicht nach Hogenäs müßten. Aber Wankelmut ... In Mölle machten wir längsseite an einem dänischen Boot fest mit einem sehr netten Skipper. Nach einem kurzen Plausch nutzten wir das verbleibende Tageslicht zu einem ausgedehnten Spaziergang

Richtung Kullen Leuchtfeuer. Wegen des vorhergesagten Wetters (Wind selbstverständlich auf die Nase mit 10 m/s oder mehr) waren wir daran interessiert, unsere Reise nach Süden schnellstmöglich fortzusetzen. Insbesondere das Auslaufen aus Mölle ist bei west-drehenden Winden nicht ganz unproblematisch wenn nur ein 8 PS Außenborder zur Verfügung steht. Als wir Mölle schon 08:15 ver-ließen, hatte der Wind jedoch ein Einsehen: ESE 3/4 --> Auslaufen und Segelsetzten ohne jede Schwierigkeit. Nach einer halben Stunde

war dann aber schon wieder Reffen angesagt: Der Wind hatte nach SSE gedreht und auf 5 zugelegt. Außerdem stand eine ordentliche Welle, die uns wieder mal das Vorschiff wusch. Der seit Tagen anhaltende südliche Wind sorgte für einen kräftigen nordsetzenden Strom. Also fuhren wir vor Erreichen der Enge Helsingborg / Helsingör Regatta gegen die diversen Tonnen. Zum Schluss gewannen wir; segelten an Schloss Sofiero und Helsingborg vorbei und schafften es auch, ohne große Schwierigkeiten die dichtbefahrene Fährlinie zwischen den beiden Städten zu kreuzen. In Råå fanden wir nach einer Hafenrundfahrt auch einen Liegeplatz an einem T-Steg. Über manche Segler können wir uns nur wundern: Hatte doch wieder mal einer mit 39' (Dummheit / Gedan-kenlosigkeit?) mittig an einem 80' T-Steg festgemacht.

Råå ist ein netter kleiner Vorort von Helsingborg: ein kombinierter Nachmittags- / Abendspaziergang war deshalb angesagt. Der Bus von Råå nach Helsingborg fährt alle Naselang -- nichts wie hin, dafür hatten wir einen Tag eingeplant!

Helsingborg ist unbedingt einen Besuch wert!! Wir bedauerten, bei früheren Sund-Passagen immer vorbeigefahren zu sein. Seht selbst:

Angesichts des Ab-wechslungsreichtums dieser Stadt wunder-ten wir uns weder über den Luftsprung des Delphins, noch den traurigen Blick des Teufels, der von

seiner Bronzetafel nicht herunter kam, oder die Tatsache, dass der Pappdrachen mit der Hundeleine an der Erforschung Helsingborgs gehindert werden mußte. Noch ein Tip: Gleich bei dem Brunnen befindet sich ein höchst erstaunlicher Supermarkt (der als türkischer (?) Fruchthandel firmiert) mit einem un-glaublich reichhaltigen Angebot aller möglichen Lebensmittel zu ebenso unglaublich günstigen Preisen. Von Råå nach Malmö ist es nicht weit; wir machten dennoch 45 sm daraus, zahlreiche Winddreher auf die Nase halfen uns dabei. So brauchten wir auch (teilweise gerefft, telweise flauteschiebend) 7 Stunden, bevor wir in Limhamn (ein Freihafen etwas südlich von Malmö) fest waren. Insgesamt war es ein guter

Trip zwischen etlichen großen (u.a. 470er Weltmeisterschaft) und kleinen Regatten hindurch, wobei wir, in Erinnerung an unsere frühere Regattasegelei, immer

sorgfältig darauf achteten keinem Regattaboot zu nahe zu kommen -- und schon gar nicht in Luv. Das Kenrnkraftwerk Barsebäck wurde bereits vor einem Jahrzehnt abgeschaltet; sein heutiger Zustand sagt ein bißchen etwas über die Dauerhaftigkeit der Atomkraft: Viel dauerhafter, als die Beschlüsse jener Politiker, die immer mal wieder (wenn es aus wahltaktischen Gründen opportun erscheint) aus der Atomenergie aussteigen wollen -- oder dann doch lieber nicht, weil die Industrie das nicht mag. Ungefährlicher ist der eindrucksvolle Turning Torso, der uns schon bald als Ansteuerungsmarke diente.

Während der Ansteuerung hatten wir die Gelegenheit einen sehr formschönen Autotransporter zu bestaunen: Manch-mal fragen wir uns, wer auf die Idee gekommen ist, ein solches Gefäss zu zeichnen und als Schiff zu bezeichnen.

In Limhamn blieben wir gleich 4 Tage, während derer es beständig aus dem Südwestquadranten kachelte. Länger in Limhamn (einem Frihamn) zu liegen war gar nicht schlecht. Die SEK 30 pro Tag rissen kein Loch in die Bordkasse; darin enthalten sind neben Dusche und Strom sogar Waschmaschinen und Trockner -- ein prima Service!! Sabine nuzte einen Tag um ausgiebig zu waschen; so brachten wir nur wenig Schmutz-wäsche mit nach Hause. Zum Bus gingen wir etwa 10 Minuten und das Ticket ins Zentrum von Malmö

kostete nur SEK 16 pro Nase. Das war prima, denn die Stadt ist sehr schõn, wie ihr an den Bildern sehen könnt. Sollten wir in einer späteren Reise wieder mal durch den Sund kommen, so werden wir sicher Limhamn anlaufen. Bei

der Annäherung an Malmö dominierte der Turning Torso das Bild. Also fuhren wir hin, um ihn aus der Nähe anzusehen: auch im Detail ein sehenswertes Gebäude. In dieser Gegend Malmös befinden sich fast nur sehr moderne Bauten. Auf dem weiteren Weg Richtung Stadtzentrum wird deutlich, dass Malmö einen Altstadtkern hat, in dem sich neu und alt auf sehr attraktive Weise mit-einander verbinden. Wegen

des für uns günstigen Kurses der Schweden-krone ist das Essen (zumindest mittags und nicht so vornehm) erstaunlich billig. In einem Thai-Imbiss zahlten wir gerade mal SEK 49 pro Nase; trinkt man nur Was-ser, so kommen noch nicht einmal Kosten für Getränke hinzu. Aufpassen: Das Essen ist lecker und ähnlich scharf wie die Deko-ration von "laleia" im Zentrum -- aber zum Glück nicht lebendig.


Verblüfft sind wir immer wieder über die abschreckenden, ehr-furchtgebietenden,

teilweise lächerlichen Wappenfiguren, mit denen sich Städte schmücken. Möglicherweise versuchten sie damit Wehrhaftigkeit zu demonstrieren (Nato, Kampfpanzer und F 16 hatten sie ja noch nicht) und die Völkerverständigung stand wohl auch nicht auf dem Spielplan. Wehrhafte Demokratur ??

Schön, dass die Zeiten sich geändert haben: Gustav Adolf ist seit langem tot und Malmö empfängt Gäste freundlich: Es ist ein Vergnügen, in dieser Stadt Wetterbesserung abzuwarten. Und dann kam sie, die

Wetterbesserung: dradio sagte um 02:00 für die Zeit bis Mitternacht voraus: "SE 4, vorübergehend zunehmend 5, SW drehend, später Schauer- und Gewitterböen". Also 05:00 aufstehen und nichts wie los! Wir wollten gern im Bøgestrøm sein, bevor die Schauer begin-nen würden. Die ersten zwei Stunden (unter der Øresund-brücke hindurch) gab es richtig dufte Segelei; dann nahm der Wind, wie auch von dmi vorher-gesagt, zu und wir refften. Wir quetschten uns an Stevns-høved vorbei und konnten dann die Ansteuerungstonne anlie-gen. Mittags waren wir im Bøgestrøm und mußten ver-schiedentlich den Motor zu

Hilfe nehmen, da in der engen Rinne kreuzen für uns nicht in Betracht kommt. Nachdem wir kurz überlegt hatten, in der Nähe von Kalvehave zu ankern, entschlossen wir uns nach Femø zu gehen: Es lief gerade so gut (bis zu 16,0 kn). Gleich nach diesem Sprint hörte der Wind auf, kam aber kurze Zeit später aus SW recht frisch wieder. Kurz nach sechs Uhr abends waren wir in Femø fest und gingen an Land:

bekannte Wege, weite Felder, bemalte Bänke, Mirabellen, einige Regentropfen. Als wir an Bord zurück waren fing es richtig an zu regnen: Gutes Timing. Seit Femø ein neues Waschhaus hat, gehen wir sehr gern in diesen Hafen. Die

Steganlagen sind prima und es gibt einen 1a-Internet-Zugang via No-Pay-Net. Im Liegegeld von Dkr 120 ist das Duschen enthalten, der Strom kostet allerdings Dkr 20 zusätzlich. Eine ganz tolle Idee ist ein großer Blumenkübel voller Kräuter und der Aufforderung, diese für die Zubereitung der eigenen Mahlzeiten zu

benutzen. Man suche mal in Hamburg eine dreisprachige Notiz ...
Von Femø nach Sakskøbing ist es nur ein Katzensprung; den brachten wir am Nachmittag hinter uns. In Sakskøbing anzukommen ist im-mer prima: Wo wird man schon mit den Worten "velkommen hjem" begrüßt? Auch das natürlich zweisprachig, da unsere dänischen Vereins-freunde längst begriffen haben, dass wir ihre schwierige Sprache nicht lernen können.

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Göteborg 21.08.09 11:15
Ankunft Sakskøbing 02.09.09 17:45
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 14 sm 284 sm 16,0 kn
bisher 221 sm 1433 sm 16,0 kn