la Guagua - im Norden !

zu den Kosteröarna

Nachdem wir die Nacht auf den 18.Juli und den größten Teil des regnerischen Tages bei kräftigem Ostwind in unserer prima geschützten Bucht ruhig vor zwei Ankern gelegen hatten, kam am 18. gegen 22:00 Uhr plötzlich Leben in die Sache:
In Fast-Flaute drehen die Steven nach Südwest. Kurz darauf gab es eine starke Bö aus West mit etwas Regen. Fast sofort begann das Boot auf die Felsen zu zu treiben. Da wir beide bei Wein und Käse saßen, konnten wir sofort an Deck; Motor an, Schwerter und Ruder runter in Rekordzeit. Sabine schaffte es, mit abwechselnd Motor voraus oder zurück (je nachdem was erfolgversprechender erschien) das Boot von den Felsen freizuhalten und Gun versuchte die nutzlosen Anker an Deck zu bekommen. Die Anker waren durch das Drehen ineinander vertörnt und voller Kraut. Als sie endlich auf dem Trampolin lagen, hatten wir Bb. vorn eine leichte Felsberührung, aber Gun konnte das Boot abdrücken und Sabine gelang es dann, aus der Bucht zu fahren. Nach ungefähr zwei Stunden er-reichten wir einen neuen Ankerplatz auf der Nord-ostseite von Instön. Wir fuhren wie gewohnt beide Anker mit viel 'Motor zurück' in den Grund. In dieser Nacht testete Gun allerdings auch noch durch anhal-tendes Holen der Leinen die Anker auszubrechen: erfolglos, sie hielten. Dennoch wurde es eine unruhige Nacht. Wir verließen Instön gegen Mittag, ohne einen einzigen Fuss an Land gesetzt zu haben -- ein Jammer!!
In der Industriestadt Svanesund (Freihafen), der Heimat aller Seesterne. Die smhi-Wetterprognosen sorgten dafür,

dass wir gleich zwei Liegetage einplanten: 13 - 16 m/sek, egal aus welcher Richtung, gehören nicht zu unseren bevorzugten Winden. Also gingen wir ausgiebig an Land und genossen im Restaurant, das offen-sichtlich auch das Altenheim (nebenan) versorgt, ein thailändisches Mittags-Buffet. Dort sahen wir auch das "Steinbild", das anscheinend ausschließlich aus Beton und Steinen hergestellt ist -- spitzenmäßig!

Wir erhielten Besuch von älteren und jüngeren Leuten, die Interesse an unserm Boot hatten und sahen auch, welch andere Art Katamaran ebenfalls urlaubstauglich ist. Bei unseren Spaziergängen boten sich schöne Blicke über den Sund, Briefkästen im Trapez, einen Wachhund auf dem Balkon und eine höchst aktive Beerensammlerin, die für sehr wohl-

schmeckende Ergebnisse sorgte, die leider viel zu schnell geges-sen waren. Mit Erfolg belohnt wur-

den auch unsere Versuche, ins Internet zu gelangen, die Website zu aktualisie-ren und eMails zu beantworten. Der dazu erforderliche Spaziergang war nicht sehr lang und der Schirm erhöhte die Lesbarkeit des Bildschirms in der Sonne deutlich. Nachdem wir beim internationalen Tanken (uno-x ist keine

Tütensuppe) unsere schwarz-rot-gelbe Gesinnung hinreichend zur Geltung gebracht hatten, verabschiedeten wir uns von der Holzmuschel unsd setzten bei Traumwetter unseren Nordkurs fort. Wir entschieden uns, entgegen anfänglicher

Überlegungen, nicht unter der Brücke hindurch in den Byfjord nach Uddevalla zu gehen, sondern nach Westen abzubiegen, um nördlich der großen Insel Orust einen Ankerplatz im Koljöfjord anzusteuern. Als wir dort ankamen regnete es ein wenig. Dieser

Regen (und anfangs auch der kleine Falter) begleitete uns,

von wenigen Pausen abgesehen durch den Kärlingesund, an Lysekil und Smögen vorbei bis kurz vor unseren nächsten Liegeplatz in den Außenschären, 4 sm

von Fjällbacka entfernt. Dieser schöne Platz besteht aus einem (an einem Ende fast geschlossenen) tiefen Sund zwischen den beiden kleinen Inselchen Skutholmen im Süden und Hamnholmen im Norden. Zunächst waren wir sehr unsicher, ob wir dorthin gehen sollten, weil Gun befürchtete, dass Schwell hineinstünde. Kurz bevor wir eintrafen zählten wir 7 Masten -- also ziemlich voll. Übersehen hatten wir

dabei die Motorboote, da bei ihnen keine Masten über die Felsen ragen; zum Schluss waren wir 16 Boote. Der Empfang war sehr freundlich, Leinen wurden gefiert, damit wir darüber hinwegfahren konnten und unsere Leinen wurden von den SchwedInnen angenommen und so belegt, wie wir es haben wollten. Nach dem Festmachen begab sich Gun mit der Gummiwurscht auf Mäusetour: er verteilte an die Kinder marshmallow-artige Mäuse. La Guagua wurde deshalb von ihnen CandyBoat genannt -- ein freundlicher Name.

Wir gingen, gut abgefendert, an Hamnholmen längsseite und holten uns mit einer langen Leine quer über den Sund von der fast senkrechten Felswand frei: Landgang per Beiboot. Die Außenschären sind karg, bieten aber begrenzte sanitäre Einrichtun-gen und interessante Anblicke.

Liebhaber kleiner Gärten und Feuchtbiotope können hier wertvolle Anregungen sammeln. Gun's eigenartige Fortbewegungsmethode hat allerdings keine Zukunft: So kann man keine Meilen machen
(Ekenäs / Syd Koster, 01.08.09)

Nach einem Blick über die Schären beschlossen wir Fjäll-backa (das ist dort, wo der Schauer niedergeht) im Osten liegen zu lassen und unseren Weg von der Insel der buckligen Felsen bei Sonnenschein zwi-schen den spritzenden Steinen

hindurch nach Norden fortzusetzen und Strömstad anzusteuern. Wir hatten Glück und richtig schönes Segel-wetter, aber eine ziem-lich hohe Dünung (knapp 1 m), die dafür sorgte,

dass die Steine in der Wasserlinie sich recht spektakulär darstellten. Die Einfahrt nach Stömstad ist nicht breit und im Hafen wurde es deut-lich enger. Wir hatten Glück und konnten bei einer norwegischen Bavaria längsseite gehen. Das Liege-geld war mit SEK 260 incl. Strom

und Duschen akzeptabel: Mehrrumpfzuschlag wird nicht erhoben. In dieser Stadt überwiegen -- wie in der ganzen Gegend -- die norwegischen Flaggen: Mit dem Boot sind es bis zur Grenze nur 5 sm; und Grenzstädte sind häufig nicht gerade billig. Abends / nachts war High Life im Kettenkasten, so jeden-falls hörte es sich für den Eingeweihten an: die Dezibele flogen bis drei Uhr morgens durch die Luft und knallten gegen die Rümpfe. Das und der weitere Zustrom an Booten veranlasste uns, am frühen Nach-

mittag des Montag diese anscheinend ganz hübsche Stadt wieder zu verlassen und einen 2 sm entfernten Ankerplatz zwischen Norra und Södra Öddö aufzu-suchen. Ein großes Stück für uns unge-nießbare Fleischwurst in dicken Scheiben an die Möwen verfüttert, machte aus ihnen "westschwedische Wassergeier".

Nach zwei Tagen wollten wir zu den Kosteröarna, wenn möglich nach Ekenäs, hilfsweise nach Ramsö, wo wir früher schon waren. Ekenäs wird im schwedischen Gästhamns Guiden sehr positiv beschrieben und

liegt auf Syd Koster, wohin Sabine schon seit Langem wollte. Beide Häfen sind gegen die vorhergesagten Winde aus Südost bis West mit maximal 22 m/sek gut gedeckt -- also nichts wie hin, denn in den nächsten zwei Tagen würde mit Segeln nichts sein. Sollte an beiden Stellen kein Platz für uns sein, so würden wir zurück gehen ans Festland und im Råssösund einen Ankerplatz suchen.

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Instön 19.07.09 11:30
Ankunft Syd Koster 29.07.09 12:10
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 13 sm 108 sm 12,1 kn
bisher 176 sm 1012 sm 15,5 kn