Segeln: Katamaran "La Guagua" 2009: nach Kappeln

von Hamburg nach Kappeln

zum Reisebeginn

Über die verschiedenen Verzögerungen bei der Abfahrt Hamburg hatten wir ja bereits berichtet. Am 16.06.09, 11:30 haben wir es dann bei Beginn ablaufenden Wassers doch noch geschafft. Mit an Bord war jetzt unser Freund Wulf, der uns voraussichtlich etwa 4 Wochen begleiten wird. Gegen das ablaufende Wasser hatten wir den Wind zunächst relativ leicht gegenan. Die Kreuzerei bis etwa Övelgönne war wieder einmal geprägt von Wellen, die uns regelmäßig den Wind aus den Segeln schlugen.

Im Rahmen einer Wende vor dem Fähranleger riefen wir Karin, die bereits seit längerem auf uns gewartet hatte, "tschüss" zu. Auch Rosemarie, Wulf's Frau konnten wir auf der Mole des Mühlenberger Yachthafens noch zuwinken. Das war dann das Ende der diversen Verabschiedungen, und wir machten uns im Dunst bei zunehmendem Wind zwischen moderatem Schiffsverkehr ernsthaft auf den Weg elbe-abwärts. An der Kreuz erreichten wir quer zum Strom (also

stromberichtigt) eine Höchstgeschwindigkeit von 12,5 kn -- wir waren damit sehr zufrieden, wurden aber so nass, dass wir uns gegen 17:00 Uhr hinter dem Pagensand am Anker verkrochen und beschlossen, am nächsten Tag weiter zu fahren. Wir ankerten am westlichen Fahrwasserrand, denn schließlich wollten

wir den Containerschiffen (die ja normalerweise die Pagensand-Nebenelbe nutzen, um auch mal in Krückau und Pinnau gucken zu können) nicht den Weg versperren, setzten vorschriftsmäßig den Ankerball und rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit auch die Ankerlampe -- immerhin sind wir vorbildliche StaatsbürgerInnen. Am Morgen bemerkte Gun, dass zumindest die Maersk-Schiffe direkt über den Pagensand fahren. Dennoch lagen

wir nach Auffassung der Schiffahrtspolizei mitten im Fahrwasser und mußten verholen, denn warum sollten wir uns auf eine Diskussion einlassen, die vermutlich mit der Frage beendet worden wäre, ob wir mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung einverstanden seien?
Sehr wohl und ohne Angst vor ungünstigen Fragen diskutierten wir beim Frühstück die verschiedenen Optionen, die uns der von Deutschlandradio (177 kHz) pünktlich gelieferte, leider nicht besonders schöne Wetterbericht liess: Unser Nahziel Amrum stand bei Winden um 5 bis 6 Bft. und Schauerböen, die uns am nächsten Tag beglücken sollten nicht auf dem Spielplan -- also sofort in den NOK, um auf der Ost-seeseite unser Glück zu versuchen? Zum Schluss entschieden wir uns, zunächst nach Cuxhaven zu gehen und bei einem (hoffentlich) günstigen Wetterbericht für Mittwoch, Amrum anzusteuern aber bei miesem Wetter nach Brunsbüttel zurückzulaufen, um doch von der Ostsee her in den Limfjord zu fahren.

Zunächst folgten wir der "Werder Bremen" bei ruhigem Wetter elbabwärts und verstanden sofort, dass bei den hohen Ausgaben für die schönen bunten Farben nur noch eine billige Flagge wie die von Gibraltar in Betracht kam. Warum sollen Seeleute, die auf so einem schönen bunten Schiff fahren dürfen auch noch anständiges Geld bezahlt bekommen wenn's auch billiger geht -- von irgendwas muss der arme Reeder ja auch leben!

Anfangs kamen wir ganz gut voran, aber in der Gegend von Brunsbüttel ereilte uns die Flaute, mit der wir dann bei herrlicher Wärme rund 2 Stunden durch die Gegend trieben. Dann hatte der Wind nach etlichen Umdrehungen um die Kompassrose ein Einsehen mit uns und stabilisierte sich auf südöstliche Richtungen

um 3 Bft., sodass wir sogar noch den Blister setzen konnten. Gegen 19:30 Uhr machten wir bei der "Liegegemeinschaft Cuxhaven Fährhafen" am Steubenhöft fest und wurden von Heiko sehr

freundlich mit allen Infos und dem Schlüssel für die sehr gepflegten Clubräume begrüßt. Einziger Wermutstropfen: Die Mitglieder des Clubs hatten beschlossen, von Mehrrumpfbooten die eineinhalbfache Liegegebühr (trotzdem nur € 16) zu nehmen; offensichtlich vermuten sie, man sei reich, wenn man mehrere Rümpfe hat -- Täuschung, schade.
Der Wetterbericht am nächsten Morgen beendete rasch alle Überlegungen über das nächte Ziel: Brunsbüttel wir kommen! - auch gegen die Tide. Problemloses Ablegen, Gross mit dem ersten Reff noch im Amerikahafen hoch und draußen auf der Elbe die Fock. Ab ging's bei WNW 5 wie Schmidt's Katze;.

Nostalgie bei Gun, als uns die "Kyoto Express" begegnete, denn er ist früher "bei uns" gefahren. Außerdem kam uns noch die "Munter-

borg" entgegen mit einer Decksladung Flügel für Windräder -- riesige Dinger, die helfen werden, den dringend benötigten Anteil erneuerbarer

Energien zu erhöhen. Unsere hohe (abgasfrei erzielte) Geschwindigkeit bei Strom gegenan und kräftiger Welle mit (Spitze 12,8 kn) war prima, denn wir kamen vor der Schleuse noch bei ablaufend Wasser an und konnten uns durch diesen Strom bei der ekelhaften Welle mit unserm Aussenborder gerade gegen den Wind halten. Hätten wir diesen Strom nicht gehabt, so wäre das nächste Ziel Glückstadt geworden,

denn vor der Schleuse gibt es keine nennenswerte Wind-/See-/Strom-Abdeckung für Sportboote. Beim Einlaufen in den Vorhafen war dann alles sofort wieder in Ordnung. Kurz vor vier verließen wir die Schleuse, refften zur Unterstützung des Motors aus und erreichten 20:00 Uhr 40 Km weiter den Gieselau-Kanal. Am Steg auf der Nordseite fanden wir keinen Platz: 1. Klasse Sportler hatten dort mit reichlich Zwischenraum geparkt, näher trauten sie sich wohl nicht an ihre Sportskame-raden heran. Wir verbrachten deshalb die Nacht an einem ganz neuen, gepflegten Stück Steg, das auf der Südseite als erste

Sektion eines größeren Teils bereits fertiggestellt war. Spruch des Tages: "Wie kommt ihr denn hierher, ihr passt doch gar nicht zwischen die Pfähle?" -- Auch Spitzensegler täuschen sich manchmal ...
Und jetzt liegen wir wieder bei Schreiber's Marina, schon einen ganzen Tag: hier ist es Klasse, selbst wenn das Wetter nichts taugt und niemand spricht von Mehrrumpfzuschlag. Mehr darüber demnächst.
(bei Rendsburg, 20.06.09)

Von der Schreiber-Marina, wo wir die nächste Nacht verbrachten, ist es auf einem schönen Waldweg nicht weit nach Büdelsdorf. Dort werden im italienischen Eiscafe "San Marco" 123 unterschiedliche Eisbecher angeboten. Sabine und Wulf waren sich nach dem Genuss von nur je

einem einig, dass dieses Cafe sehr zu empfehlen ist. Wegen des Umfangs der Portionen kann allerdings bisweilen die Heimwegs-geschwindigkeit geringfügig beeinträchtigt werden.

Tags darauf gegen 10:00 verließen wir die Marina, um im Gedränge des NOK die letzten paar Meilen bis Kiel hinter uns zu bringen. Unterwegs

gab es die Internationale beim Passieren einer Kirche und die "Woltman"

aus Hamburg zu bestaunen.

Gestaunt haben wir auch über die "Henny" aus Rendsburg. Gun hat sich

über den Dreck so geärgert, dass er sich an die Polizei Schleswig-Holstein gewandt hat. Die Antwort kam prompt, sehr freundlich ... aber es gibt keine Vorschriften gegen derartige maritime Umweltsauereien -- das scheint nur international zu gehen: Merkel und ihrem Umweltengel Gabriel sei Dank!

Schöner als die "Henny" waren die Garagenmalerei und die Möwe anzu-sehen, die den Poller in der Nähe der Sportbootwarteplätze ausbrütete. Dort warteten wir mit ca. 5 Booten und starrten auf die roten Lichter, die uns die Einfahrt in die alte Schleuse untersagten. Dann ertönte der Pausen-

gong, wie wir ihn aus der Schule kennen, und aus dem Laut-sprecher sagte eine freundliche, auffordernde Stimme: "Kuckuck, kuckuck, die Sportboote --- es ist weiheiss".

Niemand hatte auf die neue Schleuse geachtet und so freuten wir uns über den netten Weck-ruf und fuhren mit voll Stoff in die Schleuse. Allerdings bremsten wir im Gegensatz zu einem Vorgänger rechtzeitig und konnten so einen

Torschaden vermeiden. Über das kombinierte ITF / ver.di - Schild freuten wir uns, es ist ohne Zweifel eines der sinnvollsten Schilder, die wir bisher an einem

deutschen Amtsgebäude gesehen haben und das historische Schild quittierte Gun mit dem Spruch: "Befahren unter der Regierungszeit von Angela der Merkel am 21.06.2009". Dort stieg Wulf vorüber-gehend aus -- er hatte in Hamburg keine Linzer Torte mit an Bord gebracht -- selbst schuld. Beim Öffnen der Schleuse brauchten

wir keine besondere Aufforderung, sondern verließen diese umgehend und setzten Segel. Zu Zeiten der Kieler Woche herrscht in der Förde erheb-liches Getümmel und Gehupe von Fahrzeugen mit und ohne Segel und/ oder Motor. Ganz nett anzusehen, aber schlauer ist es, man macht sich

von dannen -- das taten wir, schlei-chend. Außerhalb der Kieler Förde packte der Wind ein und ein fetter Cumulonimbus aus. Wir freuten uns,

dass wir als Ziel die Schlei ausgeguckt hatten, denn quer über der Eckernförder Bucht regnete es. Kurz vor 20:00 Uhr strichen wir die Segel, warfen den Yamaha an und motorten die letzte Stunde zu einem prima Ankerplatz auf 2,4 m in der Schlei, südlich Maasholm. Am nächsten Tag fuhren wir gegen Mittag die verbleibenden 3 sm zum Stadthafen Kappeln, wo wir neben der Hafenmeisterei längsseite festmachten und erneut

diese nette Stadt mit ihren guten Restaurants (diesen Abend prima Pizza), (mindestens) einem spitzenmäßigen Fischladen und erstklassigen sanitären Einrichtungen genießen konnten.
(Grenå, 30.06.09)

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Hamburg 16.06.09 11:30
Ankunft Kappeln 22.06.09 13:15
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 68 sm 101 sm 12,8 kn
bisher 144 sm 326 sm 13,2 kn