Segeln: Katamaran "La Guagua" 2009: nach Hals

von Kappeln nach Hals

zum Reisebeginn

Zum Auslaufen aus der Schlei wurde extra für uns erstklassiges Wetter

gemacht: Nord 4 erlaubte uns bereits kurz nach dem Ablegen die Segel zu setzen und den Fluss hinunter zu fahren. Bei solchen Gelegenheiten fragen wir uns immer wieder, warum andere Leute so viel Geld ausgeben für ein Rigg, das sie

nur höchst selten nutzen -- hätten sie sich diese Fehl-investition erspart, so wä-ren noch bessere Motoren drin gewesen. Das war zu böse jetzt: Manchmal werden Segel gesetzt obwohl die Boote keinen Maschinenschaden haben.

Bedauerlicherweise entschloss sich der Wind herumzulämmern und so wurde aus der anfänglich raschen Fahrt ein ziemliches Topfschlagen. Wir waren deshalb froh, als nördlich von Helnaes der Wind etwas auffrischte und uns unter Segeln zu einem guten Ankerplatz etwas südlich von Assens/Fyn brachte.

Der nächste Tag begann gleich ab Ankerplatz mit schnellem Segeln bei Nordost 4/5. Aber nach knapp zwei Stunden war Reffen

angesagt, und noch einmal eine Stunde später verkrochen wir uns in den sehr gut geschützten Ankerplatz Ellerback ungefähr 2,5 sm südöstlich von Middel-fart. Ein kleiner Landgang nach Gamborg, entlang der Südseite des Fjords (nach

Reparatur der Spritleitung des Außenborder-Tanks) führte uns zu gepflegten Gärten mit schönen Blüten. Um in Ruhe schlafen zu können, brachten wir am Abend noch den zweiten Anker aus, da der Wetterbericht keine günstigen Winde ankündigte.

Der Landgang nach Middelfart tags darauf begann damit, dass uns eine freundliche Dänin bis zur Kulturinsel in der Stadt mitnahm -- wir waren sehr erfreut: zu Fuss 7 Kilometer Landstraße zu treten, entspricht überhaupt nicht unseren Vorstellungen. In der Bibliothek, die inmitten eines Yachthafens liegt, ist kurzfristige kostenlose

Nutzung des Internets möglich: die Wettervorhersage von www.dmi.dk ließen uns erwarten, am Folgetag

den kleinen Belt verlassen zu können.

Angesichts dieser positiven Aussicht genossen wir unseren Landgang in dieser hübschen Stadt besonders und beschlossen für die Heimfahrt den Bus 404 zu nutzen.

Unklar blieb uns, warum die Leute in Middelfart so aufwen-dige Vor-richtungen haben, um Spielzeug-LKWs in

ihre Dachböden zu fahren. Auf dem vorletzten Stück des Heimwegs sahen wir wieder mit Vergnügen auf Getreidefelder und Wildblumen. Das letzte Stück von Gamborg bis zu einem Steg gegenüber unseres Anker-platzes gingen Sabine und Wulf

zu Fuss. Gun fuhr die Gummiwurscht mit den frisch gefüllten Wasserkanistern dorthin und übte sich anschließend im Fotografieren der Familie Gänsesäger. Von den 100 Fotos ist ihm dieses besonders gut gelungen -- findet ihr nicht auch ??

Trotz des eigenartigen Wolkenbildes kamen wir am nächsten Morgen gut voran und um die Ecke bei Strib. Dort stand aber eine so blöde Welle gegenan, dass Gun umkehren wollte. Nach kräfigem Abfallen, einer Halse und einem Kontrollblick in die Gesichter seiner MitstreiterInnen luvte er wieder an und nahm Kurs auf das Nordufer: Nach wenigen Kabellängen war die häßliche See verschwunden, und wir kamen auf angenehme Weise voran. Wir fanden einen gegen Nord gut geschützten Ankerplatz südlich von Björnsknude in der Nähe von Julesminde.
(Struer, 06.07.09)

Von flachen Gegenden gibt es flache Bilder. Aller-dings sahen wir dieses flache Bild erst nachmittags, obwohl wir wegen des schwachen Windes, der ab Runden der Südtonne gegenan kam, sehr zeitig den Anker aus dem Grund gezogen hatten. Unser Ziel, die Gegend von Ebeltoft, erschien uns, als wir die verlok-kende Ankerbucht auf der Westseite Samsøs pas-sierten ziemlich fern, obwohl es nur insgesamt etwa 35 sm sein sollten. Da gleichzeitig der Wind etwas auffrischte, setzten wir verwegen unseren Weg Richtung Helgenæs fort. Dabei ließen wir uns auch nicht von den rasenden Cat-Fähren beeindrucken,

sahen sie aber lieber von hinten als von vorn. Ebeltoft hatten wir mittlerweile als erstrebens-wertes aber unerreichbares Fernziel vom Spiel-plan gestrichen und so ankerten wir, nachdem die eigenartige "Aurora Light" (vermutlich mit einer Ladung Cola Light) vorbei war, eine knappe halbe

Meile nordwestlich des Sletterhage Leuchtturms. Unser Ankermanöver war an-scheinend mehr von den wieder flauen Winden und dem Wunsch das Topfschla-gen zu beenden geprägt, als realistischen Überlegungen hinsichtlich des von der Großschiffahrt zu erwartenden Schwells und der Qualität des feinsandigen Ankergrundes. Gegen 23:30 stellten wir fest, dass beide Anker schleppten und wir uns mit dem Schwell dem Ufer näherten. Also verholten wir unter Motor (Wind gab es gar keinen mehr) die paar Meilen in die SE-Ecke der Begtrup Vik, wo wir nach einem Night Cup ab 02:00 eine absolut ruhige Nacht verbrachten. Entgegen unseren Erwartungen gab es schon zeitig einen östlichen Wind, der uns veranlasste um 09:20 den Anker hochzuholen und die Bucht unter Segeln zu

verlassen. Bei zunehmendem Wind früh-stückten wir in Lee von Helgenæs und genossen den Anblick der Mohnblumen. Bis zum frühen Nachmittag ging es ganz schön dahin; dann begann

dahin; dann be-gannen erneut die Zufälle: Hjelm blieb lange in

Sicht. Bevor wir den ein-

drucksvollen Sonnenuntergang in der Einfahrt nach Hals genießen konnten, verbrachten wir eine Nacht in Grenå: Viel zu teuer für die angebotene Qualität

Qualität (Dkr. 150 für unsere Länge, aber Dkr. 210 für Mehrrumpfboote -- Duschen extra: Dkr. 5 für 2,5 Min) hier wird anscheined die günstige Lage als der Hafen zwischen Kattegatt und Großem Belt ausgenutzt; heißer Tipp: vorbeifahren, falls möglich.

Die Küste nördlich Fornæs ist richtig schön, so störte es nicht, uns langsam an der Küste entlang drücken zu müssen. Das Wasser war klar, mehrere Stunden sehr ruhig, sodass wir häufig direkt am Ruderblatt sehen konnten, wohin wir eigentlich fahren wollten. Bisweilen kam eine Spur von einem Lufthauch und wir konnten uns bei Segelmanövern (wie Fock runter / Blister rauf oder Blister runter / Fock rauf) austoben. In den Zwischenzeiten war guter Sonnenschutz

geboten und vorhanden -- auch für Schmiergegner wie Gun. In der Dämmerung -- wann sonst -- kam wieder ein Wind auf und wir näherten uns der Einfahrt in den Limfjord. Bei der tiefstehenden Sonne sind die Seezeichen nicht gut zu erkennen. Die ausgestreckte Hand ist dann als Winkelmesser immer besonders gut geeignet, den anderen zu erklären, wo sich z.B. ein Leuchtturm (der noch nicht leuchtet; die Sonne ist ja noch nicht untergegangen) befindet. In der Einfahrt drehte der Wind gegenan, wir starteten den Motor und nahmen die Segel weg. 23:38 ankerten wir auf 1,7 m Wasser südlich von Hals und beendeten einen kombinierten Segel- und Treibtag mit

Wein und dem einen oder andern Häppchen (davon haben wir, Dank Sabines Planung, immer hinreichend an Bord).
Zusammenfassend ist über den bisherigen Trip zu sagen: Die richtig heiße Segelei war das, abgesehen von

einigen Spurts nicht. Aber trotz des verrückten Sommerwetters -- mal zuviel, mal zuwenig; meist sonnig -- hatten wir insgesamt eine schöne Segelei, auch wenn es deutlich weniger Meilen gab als in den vergangenen Jahren. Für den Limfjord hatten wir ohnehin kurze Törns vorgesehen, denn wir waren ja gekommen, um uns die Gegend anzuschauen und nicht, um Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.
(Nykøbing / Mors, 09.07.09)

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Kappeln 24.06.09 10:06
Ankunft Hals 30.06.09 23:38
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 8 sm 240 sm 15,5 kn
bisher 152 sm 566 sm 15,5 kn