Segeln: Katamaran "La Guagua" 2009: nach Göteborg

von den Kosteröarna nach Göteborg

zum Reisebeginn

Nach Abfahrt Ekenäs hatten wir vor, Ramsö zu besuchen -- wir waren bereits mehrfach dort und der Seerosenteich im Norden hatte uns so gut gefallen, dass wir ihn gern erneut besuchen wollten. Aber dort war bedauerlicherweise kein Platz für uns und auch nicht in Tjälleskär. So beendeten wir unsere Koster Rundfahrt (aber Seehunde sahen wir trotzdem) und nahmen uns als nächstes Ziel Resö beim Festland auf den Zettel: Vergebens, auch voll. Also fuhren wir weiter in Richtung Sannäs Fjord, dorthin hatten wir uns vor etlichen Jahren verfahren und nun

wollten wir uns die Gegend genauer an-schauen. Die Bucht auf der Ostseite von Havsten war -- wie sollte es anders sein -- leider voll und so ankerten wir mit beiden Ankern an jeder Menge Kette und Leine auf 3 m Wasser südöstlich von Ängholm. Ein guter Platz trotz des Re-gens, der unseren Landgang am Folge-

tag auf Straßen und Wege beschränk-te, denn Moose und Flechten saugen sich schnell voll Wasser und machen die Felsen glitschig. Also begnügten wir uns damit schöne Häuser zu be-trachten, keine Beeren zu finden und trotzdem gut zu essen während wir am Anker lagen, denn wir hatten ja noch

prima Räucherfisch aus Ekenäs. Schon mal geräu-cherte Shrimps gegessen ?

Conny und Klaus hatten wir vor 30 Jahren beim Dart-Segeln kennengelernt. Wir hatten unsere Bekannt-

schaft nicht hinreichend gepflegt und die beiden aus den Augen verloren bis auf die gelegentliche Weihnachtspost. Dieses Jahr hatten wir festge-stellt, dass wir in der gleichen Gegend zur gleichen Zeit se-geln wollten und abgemacht zu versuchen, uns zu treffen. Das

hat dann bei Ängholmen geklappt: und das Beste -- es war, als ob unser letztes Treffen vor wenigen Wochen stattgefunden hätte; schön! Den Abend verschnackten wir bei leckeren Nudeln und Wein auf ihrer komfortablen Najad. Am nächsten Morgen konnten wir die beiden sowie Stefan und Lisa bei strahlendem Sonnenschein auf La Guagua begrüßen und unser Floss zeigen.
Bevor auch wir die Anker hoch holten, mußten wir Ängholmen natür-lich noch einen Besuch abstatten (schön aber schwer zugänglich).

Auf dem Weg nach Havstensund, durch den wir dieses Mal segeln konnten, hatten wir Gelegenheit, die besondere Fundamentierung eines Bootshauses zu bewundern: Die Gefahr, auf Sand zu bauen, ist gering.

Bei wenig Wind liegt zwischen Havstensund und Fjällbacka noch der Ankerplatz bei Lilla Köttö. Dort wohnen die Gourmet-Möwen: Sie ernähren sich vor-wiegend von Austern; wir beide sind deshalb keine KonkurrentIn-nen für diese eigenartigen Vögel.

Und dann Fjäll-backa ohne Regen, ein prima Liegeplatz im Innenhafen und kein Gerede von Merhrrumpf-zuschlag. Kann

man sich gleich so freuen, dass die Hände beim Fotografieren zittern (Gun glaubt jedenfalls nicht, dass es an dem Bier lag, das wir abends in der Kneipe getrunken haben). Am nächsten Morgen war dann

natürlich der Vettebjerg dran. Der Weg nach oben ist einfach und sicher: Damit die Felsen nicht zusammenklappen während man dort steht, haben sie ein paar Stei-ne dazwischen geklemmt. Anschließend folgt eine an den Berg angepasste, sehr solide

gezimmerte Treppe mit einem hohen Geländer. Oben ist der Vettebjerg fast eben und sehr schön. Auch der Blick über die Schären ist toll; können wir empfehlen. Bedauerlicherweise haben wir dieses Jahr weder Sonnentau gesehen, noch Blaubeeren gefunden.

Gluppö liegt etwa 4 sm südwestlich von Fjällbacka. Bis dorthin haben wir es in zweieinhalb Stunden geschafft, da es trotz der eindrucksvollen Schauerwolke im Hinterland der Stadt fast keinen Wind gab. Wir hatten gewaltiges Glück und fanden zwei freie Felshaken im Scheitel der Bucht, wo wir vor Heckanker sehr komfor-tabel lagen, unseren Wein genossen und grillten. Das ist für uns geradezu die schwierigste Art ein Essen zuzu-

bereiten: Wir machen es einmal jedes Jahrzehnt -- uns fehlt also etwas die Übung, und den Einmalgrill fahren wir auch schon ein Jahr spazieren. Aber geschmeckt haben die Spareribs aus Fjällbacka !!

Kurz nachdem wir Gluppö verließen sahen wir die "Bella Ciao", eines von ziemlich vielen Mehrrumpfbooten dieses Jahr -- und eines von den Schöneren -- leider recht weit weg. Der Norweger konnte bei dem Mini-windchen seinen Reservemast

ohne Schwierigkeiten etliche Meilen weiter nach Norden bringen und Sabine die Sonne genießen. Ein Viertel des Weges nach Smögen mussten wir dann noch motoren, weil der Wind nach sieben Stunden endgültig einpackte -- ein Jammer.
Smögen ist ein bedeuten-der Handelsplatz auf kahlen Felsen: ca. sieben-undvierzig Kneipen und Restaurants, etwa acht-undzwanzig Factory Outlets, ungefähr sieben Kitschläden und rund fünf richtige Geschäfte. Smögen ist dennoch -- nicht nur für die anderen zweitausend Touristen einen Besuch wert: seht selbst ...
Obendrein blieb die be-

fürchtete Überfüllung aus. Wir fanden gleich bei der Einfahrt einen erstklassigen Liegeplatz. Ein freundlicher Schwede half beim Festmachen. Von Mehrrumpf-zuschlag war keine Rede, das Liegegeld betrug incl. Strom und gepflegter Duschen SEK 250. Diesen angenehmen Platz verließen wir am nächsten Mittag,

um bei nicht so schönem Wetter Gullholmen zwischen den Schären zu finden. Dort gibt es eine wunderschöne Einrichtung: Gleich an der Pier eine große Tafel, auf der unmißverstänlich das Liegegeld aufgeführt ist. Für uns betrug es incl. Strom SEK 220 -- zwar nicht wenig für so einen kleinen Ort, aber o.k. Also machten wir fest und Gun zahlte bei der Hafenmeisterin; Duschen extra. Etwas später kam sie bei ihrer nachmittäglichen Kassierrunde an die Pier und wollte von uns einen Mehrrumpfzuschlag in Höhe von 100 %, macht zusammen SEK 400 (~ € 40). Sie ist also entweder des Lesens unkundig oder versteht die Bedeutung eines Preisschildes nicht. Nach kurzer Diskussion haben wir dann etwa eine Meile südlich des Hafens geankert. Nach gebratenem Lachs aus Fjällbacka sind wir mit der Gummiwurscht an Land gefahren, um den hübschen aber, abgesehen von der Hafenmeisterin, unbedeuten-den Ort zu besuchen. So hat diese Hafenmeisterin aus lauter Unver-stand SEK 220 in den Sand gesetzt. Mehrrumpfsegler, haltet euch fern von diesem Hafen, aber schaut euch den Ort an !!

Rechtzeitig bevor das Gewitter begann, aber die ersten dicken Tropfen fielen bereits, waren wir an Bord zurück, brachten die Gewitterlitzen aus, checkten Anker und Position und warteten, dass der Spuk vorbeiginge. Es war das längste Gewitter, an das wir

uns erinnern können: Es begann gegen neun Uhr abends und dauerte gute zwölf Stunden: Eine unruhige Nacht.
Nach dem Gewitter ging es bei immer

noch trübem Wetter zurück an Gullholmen vorbei in den Ellöse Fjord. Zwischen diesem und dem Koljö Fjord wird es richtig eng. Als Gun die Markierungen aus der Nähe sah, erinnerte er sich sofort an Klee-Kalle aus seiner Seefahrts-zeit. Bei wenig Wind in den Engen und Strom gegenan hilft nur Yamaha. An diesem Tag haben wir 6 sm zurückgelegt, 3 davon unter Segel; Höchstgeschwindigkeit 12,7 kn. Zwischen zwei Engstellen, südlich von Stora Björnholmen, gibt es eine

Art Binnensee, der vom Fahrwasser durch einen aufgeschütteten Damm abgetrennt ist. Dort sahen wir 2 freie Festmachertonnen des SXK. Wir hatten für diesen Tag genug gschbortlt (Sport getrieben) -- also nichts wie hin: in diesen Binnensee kann man vom Osten her, ungefähr vom Leuchtfeuer Morlanda, problemlos einlaufen, obwohl es zunächst kompliziert aussieht. Weil es so schön war, blieben wir gleich zwei Nächte. An Land riefen die Schafe nach uns, sie wollten die Locken neu gewickelt haben. Als Gäste in einem fremden Land bemü-hen wir uns stets einen guten Ein-druck zu machen, also besuchten wir sie, um ihnen diesen Gefallen zu tun -- erfolgreich, wie wir meinen. Anson-sten gab es Blumen, Rehe, Raben und ein paar Blaubeeren. Auch kunstge-schichtlich erscheint uns diese Bucht bedeutsam zu sein: Salvador Dali

(der Spanier) scheint hiergewesen zu sein und den Pro-totyp der berühmten Eier hinterlassen zu haben, die sein Haus bei Cadaques zieren. In Henån, etwas im Nordosten, trafen wir Regula und Hartmut aus der Schweiz mit ihrem Prout-Catamaran "free now" und verquatschten den Abend. Natürlich gibt es in Henån auch einen erstklassigen Fischladen mit angeschlosse-nem Mini-Restaurant, wo eine hervorragende Fischsuppe angeboten wird. Wenn ihr mal hinkommt ...

Die Abfahrt aus Henån verzögerte sich etwas wegen Frühnebel und eben dieser Fischsuppe. Kaum hatten wir gegen Mittag losgemacht, begann es zu donnern. Freundlicherweise zog das Gewitter an uns vorbei -- unfreundlicherweise nahm es den gesamten Wind mit: Ab der Nötesundbrücke trieben wir in der Flaute.

Gegen 18:00 Uhr begriffen wir, dass auch kein Wind mehr kommen würde und bemühten den Motor für die letzten zwei Stunden bis Svanesund, wo wir auf Ausreise auch schon gewesen waren. Nach erfolg-losem Bemühen ins Internet zu kommen, Einkaufen und Tanken fuhren wir gegen Mittag Richtung Stig-fjord ab. Wenig später trafen wir unerwartet Conny und Klaus mit ihrer "c'est la vie", die zu unserer großen Freude ein paar prima Fotos von La Guagua unter Segeln machten. Solche Fotos sind für uns leider eine Seltenheit: Es gibt bestimmt viele; aber wir kommen nicht in ihren Besitz, da wir die Foto-grafInnen im Normalfall nicht treffen. [Sollte also irgendwer diese Website besuchen und Fotos von uns unter Segeln haben, so wäre es sehr nett, wenn sie/er Kontakt mit uns aufnähme !!]
(Göteborg, 20.08.09)

Unser Wunschziel war die Bucht auf der Ostseite von Kälkerön, denn smhi hatte für die nächsten drei Tage vorwiegend westliche Kachelwinde zwischen 15 und 19 m/sek angekündigt. Außerdem würde am

nächsten Tag (Samstag) die Tjörn-Runt-Regatta mit etwa 1000 Booten stattfinden, und von Kälkerön könnten wir etwas davon sehen. Falls wegen Überfüllung (andere Zuschauer) geschlossen, wollten wir alternativ in den Sund zwischen Smögholmen und Lyr oder nach Hälsön gehen. In Kälkerön Ost gab es einen Platz für uns mit Vorleinen zum Felsen und Heckanker. Wir mussten zwar mehrfach verholen, weil der Wind auch eine Zeitlang aus Südost (nach dort ist die Bucht offen) kam, oder so unangenehm um die Ecken pfiff, dass es schwierig war, La Guagua zur Ruhe zu bringen; aber mit Landleinen und zwei Heckankern ...

Vermutlich waren wir nicht die einzigen, die sich für die Regatta freundlicheres Wetter gewünscht haben -- dann wären die Bilder besser geworden und wir auch länger als eine Stunde auf unserem Beobachtungsfelsen geblieben, hätte es uns nicht weggeregnet. Aber es war trotz des Wetters nicht langweilig: Viele unterschiedliche Blicke und Gun wurde 60 ... kommt nicht jeden Tag vor.

Nachdem auch auf den Tümpeln oben in den Felsen die Sturm-seen sich zur Ruhe begeben hatten, war Ende mit Fotografieren und es war an der Zeit dieser besonders schönen Schäre den Rücken zu kehren. smhi hatte nicht gerade ruhiges Wetter vor-hergesagt und von den vergangenen Starkwindtagen stand ver-mutlich noch ein erheblicher Schwell. Deshalb entschieden wir uns, nicht bei Mollösund ins Skagerrak zu gehen, sondern an Stenung-sund vorbei östlich von Tjörn und Instön nach Göteborg. Die Anker hatten sich während der vorangegangenen Starkwindtage so eingegraben, dass wir erhebliche Schwierigkeiten hatten, sie auszubrechen -- die Abfahrt wurde so eine recht langwierige

Sache. Im Stigfjord war deutlich weniger Wind als wir erwartet hatten. Das Reff, das wir gleich drin gelassen hatten, erwies sich als überflüssig. Auch im Skåpesund hatten wir keine Schwierigkeit mit der Geschwindig-keitsbegrenzung. Als wir aus der Enge raus waren refften wir aus. Unter der Källön-brücke ging es langsam weiter, aber kurz darauf legte der Wind zu und wir bewegten uns wie die Katze der Familie Schmidt. Bei der Einfahrt in die Instön-Enge refften wir erneut, da wir auf der folgenden, relativ offenen Strecke mit deutlich mehr Wind rechneten. Das Ölzeug blieb freundlicher-weise überflüssig, aber es wurde ein leben-diger Trip mit der höchsten Geschwindigkeit dieser Reise.

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Syd Koster 02.08.09 11:54
Ankunft Göteborg 18.08.09 17:30
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 31 sm 137 sm 15,8 kn
bisher 207 sm 1149 sm 15,8 kn