Katamaran "La Guagua" 2008; Turku

Turku

zum Reisebeginn

Der Gasthafen Turku's liegt eine halbe Meile im Süden des Zentrums -- wie schön, nicht so weit zu laufen; die Einfahrt ist aber deshalb ziemlich langwierig, insbesondere, wenn man, so wie wir, fast keinen Wind, und den noch von vorn, hat. Günstig ist es, zu einer anderen Zeit als die großen Fähren zu kommen, das Gedränge ist dann etwas geringer. Und neben dem Hauptfahrwasser ist nicht recht viel Platz. Kurz nachdem wir in den Aurajoki nach Nordosten eingebogen waren und den (wir

finden) wunderschönen Brunnen in Form einer Walfluke passiert hatten, schauten wir uns nach einem Liegeplatz um. Nicht ganz einfach, da die Pfähle -- wie das so üblich ist, für uns zu nahe beieinander stehen. Aber am Anfang und Ende des Gasthafens, dort wo Pfähle und Schwimmstege beginnen, hatten wir die Möglichkeit, seitwärts in die erste Box zu krebsen. Nicht ganz einfach, da auch die Länge etwas geringer ist, als die unseres Bootes, aber mit ein bißchen Gefummel ging es und so lagen wir halb in Box 1 am oberen Ende des Hafens und halb außerhalb desselben. Das Liegegeld ist mit € 23 nicht ganz billig, enthält aber

Strom und Frischwasser an den Stegen sowie die Benutzung des Wlan. Die Sanitäreinrichtungen sind Spitze und beinhalten sogar eine Sauna, die morgens 2 und abends 3 Stunden beheizt wird (Finnland!). Nach Bezahlung des Liegegeldes erhielt Gun von der sehr freundlichen Hafenmeisterin ein Faltblatt, in dem Cupons für Rabatte in verschiedenen Läden enthalten waren (Bootsbedarf - 20 %; Supermarkt gleich gegenüber unseres Liegeplatzes - 5 %) ganz nahe bei der Kettenfähre mit dem schönen Namen "Föri", die unentwegt und unentgeltlich Fußgänger und

Radfahrer über den Aurajoki bringt. Auch wir wußten diesen Service zu schätzen und haben ihn genutzt. Auf dem Weg ins Stadtzentrum entlang des Aurajoki unterquerten wir fünf Brücken, von denen uns eine besonders interessant erschien. Erfolglos war die Suche nach einer Telefonzelle. In der Post, wohin wir uns zum letzten Versuch begeben hatten, wurden wir informiert: "In Finnland haben wir keine öffentlichen Fernsprecher" -- also riefen wir unsere Mütter vom

Handy aus an, was wir normalerweise aus Kosten-gründen zu vermeiden versuchen. Aber dass es ein Land ohne öffentliche Telefone gibt, verblüfft uns noch immer: wir haben bisher keines kennengelernt. Der Markt von Turku bleibt in seiner Vielfalt weit hinter dem von Helsinki zurück; vermutlich, weil der Touristenandrang deutlich geringer ist. Aber die Markthalle ist ein sehr interessantes Gebäude mit ebensolchem Inhalt. Mitten in der Stadt steht auf einem Hügel

ein alter, imposanter Steinbau, in dem das Kunst-museum untergebracht ist. Der Bau wurde dafür auf seiner Rückseite um einen großen Glasanbau ergänzt. Nahe bei befindet sich auch die Plastik mit einer Darstellung der drei fliegenden Gänse, die wir bereits in Hanko gesehen hatten. Aller-dings wissen wir immer noch nicht, was diese symbolisieren sollen -- die Gravur war für uns leider nicht lesbar. Aber auch für Leute, die kein

besonderres Interesse an Kunst haben, hat Turku einiges an Bauten zu bieten: Alte Häuser aus Holz oder Stein, mit

schmiedeeisernen Balkonen oder Einkaufszentren mit viel Stahl und Glas. Dort kauften wir bei Stockmann ein erstklassiges und obendrein preisgünstiges helles Brot, das auch noch nach Tagen prima schmeckt; ähnlich wie eine Sorte, die bei uns unter der Bezeichnung "französisches Landbrot" verkauft wird. Außer Konsumtempeln

gibt es natürlich auch echte, den evangelischen Dom von 1330 z.B., den wir uns anguck-ten, weil Sabine daran Inte-resse hat. Und die Gebäude sind ja auch wirklich interes-sant; deshalb geht Gun biswei-len mit. Wir trafen den rot-blonden Jan und verbrachten einen netten Abend mit ihm auf La Guagua: er hatte gerade Abitur gemacht

und verbringt die Zeit bis zum Beginn des Zivildienstes damit, mit seiner 570er Waarship in die nördliche Ostsee zu segeln. Hier in Turku hatte er auf einen Freund gewartet, mit dem er die nächsten Wochen gemeinsam

segeln will (Klasse -- was?!!). Auch

andere Reisende gab es zu treffen: Biker -- und zwar richtig viele -- wir nehmen an, dass sie ein Rock-Festival besuchten. Mit ihnen kommen wir allerdings nicht in's Gespräch: wir haben

kein gemeinsames Thema. Fasziniert von den Motorrädern sind wir dennoch; insbesondere verblüfft uns immer wieder, wie sauber sie sind:

kaum ein Stäubchen dran, auch wenn sie gerade von der Straße kommen; La Guagua ist trotz Putzerei nie so sauber. Wie schon schon letztes Jahr im hohen Norden, fällt uns auch hier die Menge der Fahrräder auf, die wir überall in der Stadt sehen: Sie scheinen eines der wichtigsten Verkehrsmittel zu sein. Begeistert sind wir natürlich, als wir unsere drei Eiskanister zusammen mit den Einkäufen aus dem Supermarkt abholen: Wir haben etwa 13 Liter Eis in Kanistern und damit Kühlung für ungefähr 10 Tage -- wenn das nichts ist!! Und dann

fahren wir ab: Richtung Mariehamn auf den Ålands -- mit viel Zeit, denn wir wollen ja was sehen.