Katamaran "La Guagua" 2008: nach Turku

von Helsinki nach Turku

zum Reisebeginn

Zwischen Helsinki und Turku, als erstem Teil der Strecke nach Mariehamn, hatten wir schon vor langer Zeit beschlossen zu trödeln. Unser nächstes Treffen mit einem neuen Mitsegler -- Jochen -- haben wir für den 08.08.08 geplant. Also hatten wir jede Menge Zeit, um uns die finnischen Inseln anzugucken. Dass Helsinki eine richtige Großstadt ist, merkt man auch, wenn man durch die näheren Schären fährt: jede Menge (vermutlich) Tages-ausflügler. Uns fiel es nicht leicht, Hochhäuser hinter bewaldeten Inseln als etwas selbstver-ständliches zu betracheten -- es wirkt exotisch. Und dennoch: nach wenigen Meilen waren wir in der Natur total: hinter einer sehr schmalen Einfahrt verbirgt sich ein Binnensee, an dem nur ganz wenige Häuser stehen. Auf 3 m Wassertiefe ankerten wir mittendrin und blieben einen Tag, an dem wir ein bißchen mit dem Beiboot (Gummiwurscht) herum-fuhren, Gun (lange überfällig) den Bewuchs in der

Wasserlinie entfernte und die Überwasserschiffe wusch. La Guagua sah hinterher wieder aus wie ein Boot. Der nächste Tag brachte uns gerade mal zehn Meilen weiter nach Westen, dann beendete ein heftiger Regenschauer unsere Segelambitionen. An Backbord befanden sich zwischen zwei kleinen Felseninseln jede Menge Festmachertonnen -- nichts wie hin. Näher dran merkten wir: die westliche Insel war militärisches Sperrgebiet; die östliche durch einige Schilder deutlich als privat gekennzeichnet. Jedoch halfen uns einige Segeler, die kurz vor uns hereingekommen waren beim Festmachen. Es stellte sich heraus, dass der Skipper Mitglied des Clubs war, dem die Insel gehörte und nichts gegen unsere Anwesenheit hatte -- alles klar. Für den nächsten Tag war der Wetterbericht nicht gerade verlockend: 5 Bft. auf die Nase mit Schauerböen, also wollten wir noch einen Tag bleiben. Ein Clubmitglied, das Gun fragte, ob wir dürften, war sehr freundlich und gab uns die Erlaubnis. Im Laufe des Tages bekamen wir

jedoch mit, dass ein anwesendes Vorstandsmitglied über unsere Anwesenheit alles andere als erfeut war und Gideon, unseren Stegnachbarn, bat, uns dies mitzuteilen und auch den Namen der Insel und des Klubs nicht bekannt zu machen, da sonst mög-licherweise Scharen von Fremden kämen, um dort festzumachen. Das war das erste Mal auf diesem Trip, dass wir uns nicht willkommen fühlten. Aber wir lernten Gideon kennen: ca. Ende 60, geboren in Haifa, seinem Vater war Mitte 33 die Ausreise aus

Deutschland gelungen und der Sohn war Ende der Vierziger in Finnland hängen geblieben "mein Vater liebte die deutsche Kultur aber nicht die Nazis"; wir hatten sehr interessante Gespräche und bedauerten, nicht mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Am nächsten Morgen war das Wetter prima, und wir fuhren ein paar Meilen zum Barösund, gingen dort auf einer Insel an Land, fanden ein paar Beeren (leider nicht viele) und etliche Pfifferlinge, wechselten den Anker-

platz, duschten und segelten am nächsten Tag einige Meilen weiter. Nachdem sich die zum Ankern vorgesehene Gegend als Natur-schutzgebiet herausstellte, ankerten wir anschliessend sehr sicher: im Militärgebiet: mit Sperrschildern an Land und jeder Menge Gewehrfeuer in Hörweite. Die Finnen halten anscheinend was

von Landesverteidigung -- dennoch sind, so erzählte uns Gideon, etwa 80 % aller Finnen gegen einen Natobeitritt ihres Landes. Anscheinend kann also die territoriale Integrität auch ohne Zugehörigkeit zum "westlichen Bündnis" gewahrt werden. Aber so sicher wollten wir's gar nicht, deshalb machten wir uns nach einem unserer typischen luxuriösen Frühstücke

auf den Weg nach Hanko. Unser Aufenthalt im dortigen Osthafen dauerte nur 20 Minuten: genug Zeit, um zu erfahren, dass die Liegegebühr € 30 betrüge; Strom gebe es allerdings am zugewie-senen Liegeplatz nicht. Bis zum Nordhafen "Hangoby" dauerte es nochmals knapp drei Stunden, anschließend mußten wir dort noch

verholen, also waren wir erst 18:00 Uhr fest. Liegegeld € 13 incl. Strom, Wasser, Duschen, Wlan -- was will man mehr?! Und obendrein fror die höchst freundliche Hafenmeisterin noch 2 5l-Kanister Wasser für unsere Kühlbox ein. Unser Tip: geht nicht in den abgebildeten Osthafen, sondern fahrt die paar Meilen in den Hafen auf der Nordseite der Halbinsel, macht dort an dem Steg westlich der Bunkerstation fest (sonst müßt ihr verholen) und macht einen Spaziergang durch den Wald in die nahe Stadt. An Holzhäusern und insbesondere Details

daran, hat sie Einiges zu bieten, aber auch Plattenbauten (die es ja eigentlich nur im Osten gab). Für uns hatte Hanko nach einem ausgedehnten Gang nichts zu bieten, das uns zum Bleiben bewogen hätte.

Also verabschiedeten wir uns von der Schlange, die die Ladenstraße bewacht, hängten den Dill an die Reling, Sabine holte unsere Eiskanister von der Hafenmeisterin und schon waren wir auf dem Weg zu einem Ankerplatz in den Gunnarsöarna. Weitere Stationen auf unserem Weg nach Turku waren ver-schiedene Ankerplätze hinter Schären.

Am letzten Anker-platz vor Turku kamen Sanna und Asko mit dem Ruderboot und luden uns in ihre Sauna ein. Sogar das bei Finnen übliche Saunabier stellten sie bereit. Anschließend

gab es bei warmem "Brotkäse" mit Moltebeeren im Sommerhaus ihrer Eltern noch eine interessante Unterhaltung über Finnland und wie spannend es ist, fremde Länder zu bereisen und Kontakt zu den Einwohnern zu bekommen.

Wir stellten fest, dass es Finnen gibt, die ebenso gastfreundlich sind, wie die Einwohner anderer Länder, die wir bisher besucht hatten und unser erster Eindruck von den zugeknöpften Finnen unzutreffend war.

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Helsinki 19.07.08 15:15
Ankunft Turku 30.07.08 13:30
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 27 sm 164 sm 12,5 kn
bisher 76 sm 1236 sm 16,4 kn