Katamaran "La Guagua" 2008: nach Sakskøbing

von Kalmar nach Sakskøbing

zum Reisebeginn

Die Wettervorhersage (SMHI) für den 05.09.08 mit südwestlichen Winden von 5 - 9 m/s am Vor-mittag und vorübergehend 6 - 10 m/s nachmittags bei 20 bzw. 30 prozentiger Wahrscheinlichkeit von Durchschnittsgeschwindigkeiten oberhalb 10 m/s liess uns hoffen, Sandhamn am Südende des Kalmarsundes erreichen zu können, denn warum sollten wir ausgerechnet die Prozente erwischen. Also verließen wir Kalmar nach einem ausgiebigen

Motortest, setzten Groß und Fock und kreuzten süd-wärts an Skansgrundet vorbei. 2 Stunden später war bei SzW mit 5-6 Bft. wieder mal das 2. Reff dran. In der folgenden Stunde schien der Wind weiter aufzu-frischen und so entschlossen wir uns, die Reise mit einem Landgang in Mörbylånga auf Öland fortzuset-zen. Wir bewunderten einen Holzadler der anscheinend ausschließlich mit einer Kettensäge geschnitzt worden war, sowie die in dieser Gegend besonders reichen Holunderdolden. Vom Genuss der appetitlichen Vogel-

beeren und des hüb-schen, uns unbekann-ten Pilzes sahen wir ebenso ab, wie von dem des Conium maculatum. Das war schlau: Beim Nachlesen in Wikipe-dia stellte sich heraus, dass es sich nicht (wie

von Gun vermutete) um Hanf, sondern um Schierling handelt
-- nicht bekömmlich!
Stattdessen erfreuten wir uns an schönen Blüten, den gekonnten Luftsprüngen einer Kite SurferIn und einer Zwei-Zylinder-Windfahne.

Nach einem schönen Sonnenuntergang und einer ruhigen Nacht prophezeite uns Wulfo (SMHI-Relay) für den gesamten

Tag 5 - 9 m/s zunächst aus südöstlichen später aus

südwestlichen Richtungen. Also bei trübem Wetter nichts wie

los nach Sandhamn. Nachmittags nahm der Wind deutlich ab, sodass wir erst im Dunklen auf der Richtfeuerlinie nach Sandhamn kamen. Heinz & Erika (hatten wir in Kalmar getroffen) nahmen unsere Leinen an. Den trüben Sonntag vertrödelten wir im Naturschutzgebiet. Dann kamen noch Ursel und Volker mit ihren süßen Minikindern Julius und Lina. Am Abend gab Erika Cappucino aus -- wir wußten es zu schätzen.

Als wir am Montag morgen nach Hanö segeln wollten, war Flaute und Nebel. Gegen 10:00 Uhr besserte sich die Sicht, ein Hauch kam auf: Nichts wie weg! Aber kurz nachdem wir die Segel oben hatten, verabschiedeten sich Sicht und Wind. Bis etwa 13:00 Uhr murksten wir bei mini-maler Fahrt in der Waschküche herum, und überlegten wohin wir uns ohne Sicht -- aber mit der Aussicht auf starken SW-Wind in der Nacht verkriechen könnten. Dann klarte es auf und der Wind nahm zu. Das müde Rotkehlchen flog davon und wir begannen zu segeln. Hanö zeigte sein weitreichendes Feuer kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Kurz vor Mitternacht waren wir in dem fast leeren Hafen fest: Schlummertrunk --> morgen ausschlafen und dann an Land.

Beim Foto-grafieren am Bönsäcken (wegen der Bohnenform der Steine) ergeben sich außergewöhn-liche Blicke.

Nach unserm Landgangstag stand Skillinge, eben nördlich von Sandhammaren auf dem Zettel. Als wir aus der Abdeckung der Insel herauskamen (ziemlich genau 20 Minuten nach dem Segelsetzen) wurde schon wieder das 2. Reff fällig, da wir natürlich die 20 % oberhalb von 10 m/s erwischten. Der Wind nahm auf Ost 6 Bft. zu, die See auf 1,5 m, La Guagua frass die Meilen und wir trauten uns nicht vor Wind und See nach Skillinge zu gehen: also Ystad bei abnehmendem Wind und vollen Segeln. Dorthin kann man bei östlichen Winden jeder Stärke gehen, da die Einfahrt in den Fährhafen mit ihren großen Wellenbrechern für glattes Wasser beim Anlaufen des Sportboothafens sorgt. Um 18:00 Uhr nahmen Ursel und Volker unsere

Leinen an (An einen solchen Service kann man sich ge-wöhnen -- und dann nicht mehr allein festmachen
???).

In Ystad blieben wir viel zu kurz -- nämlich nur eine Nacht. Beim abendlichen Landgang stellten wir fest, dass wenigstens ein Tag notwendig wäre, um einen Ein-druck dieser anscheinend schönen Stadt zu erhalten. Im Hinblick auf das Wetter hatten wir (insbesondere Gun) es eilig nach Westen zu kommen. Für die nächsten Tage wurde zwar Wind aus der gewünschten Richtung (östlich) vorhergesagt, aber mit bis zu 7 Bft. und das ist etwas zu viel für unser Wohlbefinden.

In saßen wir dann auch einige Tage für jeweils SEK 150 (etwa € 16) incl. Strom sowie Dusch-, Waschmaschinen- und Trocknerbenutzung fest. Wir hatten also hinreichend Gelegenheit mit anderen Seglern im Rahmen gelegentlicher Schnäckchen die Rücksichtslosigkeit des Wetters zu beklagen. Wir jammerten aber nicht nur; bei unseren Strandspazier-gängen nach Trelleborg fiel die große Anzahl von Bunkern auf, die die Schweden vor langer Zeit gebaut

hatten, um erforderlichen-falls eine Invasion deut-scher Truppen abzuwehren -- glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert und wir werden heute als Touristen freundlich behandelt. Das gab uns Gelegenheit, uns an ganz

außergewöhnlichen Brunnen zu erfreuen. In Trelleborgs Museum, dessen Kassenraum wie ein Laden aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts gestaltet ist, sahen wir, dass sich unsere Vorfahren ähnlich geschmückt hatten, wie es den Indianern Nordamerikas zugeschrieben

wird -- das fanden wir überra-schend. Neben Exponaten aus grauer Vorzeit, gab es auch solche aus den letzten beiden

Jahrhunder-ten. Außerdem war gerade eine Ausstel-lung zeitge-nössischer Kunst eröff-net worden.

Nach 3 Tagen schien das Wetter brauchbar: nordöstlich um 5 Bft. Wir verabschiedeten uns von Gislovs Läge sowie Julius nebst Anhang, setzten die Segel (2. Reff im Groß) noch im Hafen und folg-ten unseren Stegnachbarn Christel und Dieter auf den holprigen Weg über den Sund. Der Wind kam mit

etwa 6 Bft. fast genau von ach-tern, so wurde es eine ziemliche Eierei, insbeson-dere, als die See an der SE-Ecke von Møn auf gute 2 m zunahm. Nach Einlaufen in den

Grønsund war die See schlagartig weg und vom Wind blieb auch nicht mehr viel, aber wir erreich-ten rechtzeitig vor dem Dunkelwerden den Anker-platz südlich Farø, wo wir auch bereits auf Ausrei-se gelegen hatten. Wegen der Aussicht auf kräfti-gen NE-Wind brachten wir gleich 2 Anker aus -- wir schlafen dann besser. Der Wind kam dann aber doch nicht und anstelle des erhofften heißen Ritts nach Femø brauchten wir für die paar Meilen rund

4 Stunden. Femø, die leicht wellige Insel in Smålands Fahrwasser lohnt immer einen Besuch; sei es wegen der Natur, der teilweise recht schönen Bauten mit den interessanten Details, der Großmutter aller Windmühlen oder der auch im September noch schönen Pflanzen.

Die neugierigen Kühe mit den sanften Augen freuen sich jedes Mal über unseren Besuch. Was das Mirabellenpflücken betrifft, so war unser Besuch Mitte September ein Schuss in den Ofen: Da war schon jemand vor uns. Und bei den Wegrandbirnen haben wir uns hinterher

gefragt, ob das Pflücken sich gelohnt hat; aber es gibt ja auch Wegesrand-Läden. Wenn man dann noch Glück hat und den entsprechenden Geldbeutel auf der Straße findet, so macht Aspen einen mit Elly bekannt. Elly ist die 83-jährige Privat-Chronistin der Insel. In ihrem kleinen Privatmuseum sammelt sie alle für Femø relevanten Zeitungsausschnitte, alles Mögliche über das dänische Königshaus und schreibt gewissenhaft alle nennenswerten Vorgänge mit sauberer Handschrift in dicke Japankladden (29 sind es bislang). Elly lud uns

dann auch noch zu Kaffee und Torte ein -- das war lek-ker und supernett. Später gingen wir dann zurück zum Boot und fuhren ein paar Meilen weiter nach Fejø.

Dort schauten wir uns auch noch ein paar Blumen (die scheinen immer irgendwo hindurch zu wachsen: Zäune, Asphalt ...) und einen historischen Traktor an, bevor wir uns am nächsten Morgen bei sehr wenig Wind auf den Weg nach Sakskøbing machten.

Es war schön, von unseren Sakskøbinger Seglerfreunden mit den Worten "velkommen hjem" begrüßt zu werden !!

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Kalmar 05.09.08 09:20
Ankunft Sakskøbing 18.09.08 16:15
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 8 sm 292 sm 15,1 kn
bisher 127 sm 2057 sm 16,4 kn