Katamaran "La Guagua" 2008: nach Kalmar

von Stockholm nach Kalmar

zum Reisebeginn

Ab Stockholm hatte Gun es auf einmal eilig (sehr zum Unwillen von Sabine): Das Wetter war seit einiger Zeit nicht mehr so, wie es nach seiner Vorstellung hätte sein sollen: Der Wind kam typischerweise gegenan und dann noch in unbefriedigenden Windstärken: zuviel oder zu-wenig. Also verließen wir Stockholm bei trübem Wetter und lebhaftem Fährverkehr an der Kreuz, ankerten für

eine Nacht in einer Bucht auf der Südseite von Gåsön und gingen nach angenehmer Segelei in Utö an Land. Von dort gibt es einen guten Überblick über die Schären und die Mücken sind Genießer: wir schmeckten ihnen.

Die Stromleitungen fanden wir ebenso interessant wie eine große Mühle, die zum ehemali-gen Bergwerk gehört und nicht nur Getreide mahlte, sondern auch ein Sägewerk betrieb (mit dem das Grubenholz geschnitten wurde?).

Sowohl SMHI als auch Wind-finder sagten für den nächsten Vormit-

tag brauchbare Winde voraus, die uns ein angenehmes Run-den von Landsort ermöglichen würden und auch noch ein paar Meilen nach Westen bringen sollten. Also war eine frühe Abfahrt von Utö angesagt (08:28). Sehr zu Sabine's Ent-täuschung fuhren wir an Ringsön (dort hatten wir im letzten Jahr Hirsche und Habichte gesehen) und Stora Krokholmen (dort sieht es wunderschön aus) vorbei. Weil der Wetter-bericht für die nächsten Tage Kachelwind gegenan vorher-sagte, wollte Gun dieses Stück gern bei ruhigem Wind hinter sich bringen.

Am späten Nachmittag krochen wir dann auch noch an Oxelösund vorbei, um mit dem letzten Lufthauch in einer Mückenbucht etwas westlich zu ankern. Diese verließen wir kreuzend am nächsten Morgen bei sehr leichtem Wind; aber immerhin mit der Hoff-nung auf eine leichte Zunahme am Nachmittag. Durch den Arkösund

(se'ly von Norrköping) quetschten wir uns bei Nieselregen, vorbei an der Sjöredningskolan, an der die Leute anscheinend an jeder Menge unter-schiedlicher Boote ausgebildet werden. Auch der

Wind nahm etwas zu -- selbstver-ständlich gegenan --

und als wir in einer sehr geschützten Bucht von Risö ankerten, goss es. Einer der großen Vorteile des Ankerns besteht darin, dass der Wind stets von vorn kommt. Das ist um so wichtiger, wenn das Regensegel

nach einer Änderung nicht mehr so richtig was taugt; so bleibt die gute Laune auch beim Blick durch's Fenster erhalten. Nachdem wir am nächsten Morgen den SMHI-Wetterbericht gelesen hatten, den Wulfo uns täglich schickt, brachten wir noch den Bruce-Anker an 35 m Kette und Leine aus: wir fühlen uns dann besser. Anschließend: Schlauchboot ins Wasser, Landgang (Mückenschmiere nicht vergessen!). Ein Landgang auf Risö ist nicht nur schön, sondern auch nahrhaft; also, wenn ihr mal in diese Gegend kommen solltet ...

Steinpilze und Maronen haben uns mit Speck, Knoblauch und Zwiebel hervorragend zu Polenta geschmeckt!

Das Nougat haben wir aller-dings nicht auf Risö gefunden, sondern in Stockholm im Supermarkt: Es handelt sich dabei um eines von Gun's Grundnahrungsmitteln (Spaghetti sind das andere), nach dem er jeden Super-markt in Schweden durch-sucht und dessen Qualität beurteilt.
Nach zwei Starkwindtagen machten wir uns wieder auf den Weg nach Süden bei kräftigem, achterlichem Wind. Vorbei an schönen Häusern, Skärgårdstewards (die die sanitären Einrich-tungen auf den Schären in Ordnung halten), Kühen, Kunstwerken, Leuchttürmen; seefahrenden Vogelscheu-chen, Seeadlern...
Am letzten Abend in den Ostschären genossen wir das Baumglühen (Alpenglühen ist hier unbekannt) nachdem wir an eine Festmachertonne des Svenska Kryssarklubben gegangen waren. Sehr komfortabel: am nächsten Morgen keine schweren, schmutzigen Anker hochholen, sondern nur zwei Festmacher-leinen losmachen zu müssen. Bei ganz wenig Wind, aber recht schönem Wetter hatten wir Blå Jungfrun (weiss der

Geier, warum dieser Stein so heißt) stets in Sicht und auch die (Papier?)Fabrik von Mönsterås sah am Spätnachmittag recht malerisch aus. Wir entschieden uns dann für Sandvik auf Öland -- und selbst dafür mußten wir noch etwas motoren.

Nach einem traum-haften Sonnenunter-gang, verbrachten wir einen sehr ange-nehmen Abend mit Tanja und Thomas, bayerischen Auto-Kajak-Urlaubern.

Nachdem wir uns den Ort etwas angeschaut hatten, nahmen wir Thomas am nächsten Tag mit nach Borgholm/Öland, während Tanja das Auto herumfuhr. War eigent-lich dumm, wir hätten beide mit-nehmen sollen. Ihr Auto hätten sie auch per Bus erreicht.

Dass sie ihr Auto als Demotafel gegen den Transrapid einsetzten, gefiel uns ebenso gut, wie die pfiffige Pilztrockenkiste, durch die auf dem Armaturenbrett die Warmluft bläst und eine Ladung Pilze in ca. zwei Stunden trocknet. Und dass wir auch noch einen Beutel Trockenpilze geschenkt bekamen, freute uns natürlich ganz besonders.

Wir blieben noch einen Tag in Borgholm, um uns den Ort anzusehen. Von einer Besichtigung des alten Schlosses haben wir abgesehen, 50 SEK waren uns zu teuer. Wir denken, dass bei der geringen Arbeitslosigkeit in Schweden Königs derartige Almosen auch nicht benötigen.

Von der Beschaffung des farblich sehr gut zu unserem Boot passenden Schneeräum Quad's sahen wir ebenfalls ab: wir segeln ja nicht mit Schnee an Deck.

Nach Passieren der Ölandbrön starteten wir den Motor und nahmen die Segel weg. In der ruppigen See (gegenan) verlor der Motor auf einmal, ohne für uns erkennbaren Grund, fast die gesamte Leistung. Kurz vor einer Untiefe ankerten wir, Gun checkte die Kerzen -- keine Besserung. Nachdem wir einem vorbeifahrenden Segler mit dem Tampen gewunken hatten, in

der Hoffnung, dieser werde einen Schlepp organisieren, aber in der nächsten halben Stunde nichts passierte, zogen wir die Segel wieder hoch, segelten bis kurz vor die Pier und ließen uns dann mit dem Rest der Motorleistung herantreiben; zwar problematisch, aber ohne Schaden.

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Stockholm 23.08.08 14:30
Ankunft Kalmar 01.09.08 19:40
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 15 sm 231 sm 12,4 kn
bisher 119 sm 1765 sm 16,4 kn