Katamaran "La Guagua" 2008: nach Gdansk

von Swinoujscie nach Gdansk

zum Reisebeginn

Beim Auslaufen aus Swinoujscie verliess uns der Wind bereits kurz nach der Einfahrt -- also kam der Igelschrubber als Paddel zum Einsatz: Der Holzwind weht immer!!
Der Trip nach Kołobrzeg (ehemals Kolberg) wurde so zum fürchterlichen Getrödel mit reichlich Nieselregen. Der echte Schock kam aber erst nach dem Einlaufen: Die Preisliste, nach der der freundliche Hafenmeister kassierte, sah für Boote von 10 m 55 Złoty plus einen

Mehr-rumpfzu-schlag von 50% vor, macht zu-sammen 80 Złoty (€ 1 = 3,2 Złoty). Die Sanitär-container

befanden sich in recht gammeligem Zustand und wir fühlten uns ordent-lich übers Ohr gehauen. Unser Tip, insbesondere für Mehrrumpfsegler: Obwohl die Stadt

schön anzusehen ist, haltet euch fern von Kołobrzek.
Um sicher zu gehen, dass wir nicht noch eine Nacht bleiben

müßten, fuhren wir gegen 14 Uhr wieder ab. Der Seekanal zwischen Wikingerschiff und Leuchtturm einerseits und einer Gruppe älterer Torpedoboote andererseits ist ordentlich breit. Unangenehm für uns waren die 4 Windstärken, die genau in die Einfahrt bliesen und eine See

von ungefähr 1 m Höhe aufbauten. Unser Quallenquirl gab uns den nötigen Antrieb und als die Ostmole querab war, konnten wir auch schon abfallen und die Segel nutzen.

Über Land bauten sich eine Reihe eindrucks-voller Schauerwolken (Cumulonimbus capil-latus) auf, die jedoch freundlicherweise nicht nach See hinaus-trieben. Für uns gab es also weder Gewitter-

noch Regenschauer; wir wußten das zu schätzen und hatten einen schönen Segeltag! Bedauerlicherweise nahm der Wind im Laufe des Nachmittags immer weiter ab. Da sich die Liegeplätze in Darlowo hinter einer beweglichen Brücke befinden, die stündlich geöffnet wird, entschlossen wir uns halb neun, den Motor zu starten, um die nächste Brückenöffnung zu erwischen. Das klappte und der sehr freundliche Hafenmeister wies uns einen Liegeplatz gegenüber des sehr gepflegten

Sanitärcontainers zu. Hier gab es auch Strom und Zugang zum Internet, der ebenso wie das Duschen im Preis von 30 Złoty enthalten war. Im Hafenkanal stand ein wenig Schwell, der aber auf einen Cat kaum zu bemerken ist. Am nächsten Morgen machten Sabine und Wulf einen Gang durch die Gemeinde und zum Strand

(Plaza -- dürfte für Spanier etwas verwirrend sein), während Gun für diese Site schrieb. Mit der 14:00 Uhr Brückenöffnung verließen wir diesen gastlichen Hafen, stampften wieder kräftig in der Einfahrt (das sind die Tage, an denen Gun die Einrumpfboote mit Einbaudiesel beneidet) und

wandten uns auf See bei einem Hauch Wind Richtung Osten.

Nach 2 Stunden hatte uns dann die erste Gewitterbö zu fassen. Freundlicherweise hielten die Blitze ein wenig Abstand, aber nass und windig mit den unterschiedlichsten Richtungen war es doch und der Himmel bot tolle Bilder. Der Wind war dabei sehr veränderlich, meist schwach aber so unregel-mäßig, dass er uns auch mal auf 12,5 kn brachte. Beim Einlaufen erwischte uns die nächste Schauerbö und als wir längsseite an dem polnischen Hochsee-angelboot "Sportfish" festmachten, triefte unser

Ölzeug. Noch während des Festmachens fragten uns Tomasz und Rob, die Besatzung des Bootes, ob wir Tee oder Kaffee haben wollten, mit Milch oder Zucker ? So etwas haben wir noch nicht erlebt !! Während Wulf und Gun ihr tropfendes Ölzeug im Ruderhaus aufhängten, bekam Sabine schon mal 2 Brote geschenkt und ausser des Kaffees wurde ein riesiger Topf Salat (ähnlich dem spanischen Ensaladilla Rusa) vor uns hingestellt. Nach einer angeregten, aber wegen des Sprachproblems

bruchstück-haften Unterhaltung gingen wir nach Mitternacht in die Kojen. Als die Beiden am nächsten

Morgen unser Boot besichtigten und unseren Kartentisch sahen, haben sie uns eine Fischerei-karte zum Vergleich gezeigt. Ustka und unsere beiden sehr netten "Innenlieger / Gastgeber" verließen wir um 10:00 Uhr Richtung Leba. Auf See begann wieder das mittlerweile bekannte

Topfschlagen: Wind sehr unterschiedlicher Stärke aus unterschiedlichen Richtungen. 6 Stunden haben wir für die 19 sm nach Łeba gebraucht -- mit Festmachen im Regen.

Tags darauf wollten wir zur großen Düne wandern, die wir bereits von See aus gesehen hatten. Wir fanden es deshalb sehr unfreundlich, dass es bereits um 09:00 den ersten Schauer gab und freuten uns, dass sich die Vorhersage "anfangs Regenschauer" als zutreffend herausstellte; Frau Schwalbe ging es ebenso, sie sang auf unserer Heckleine.
13:00 Uhr, nach Bavette al Pesto, als letzte Stär-

kung, vermieden wir zunächst 3 km Asphaltstraße mit dem Elektormobil. Nachmittags be-

fanden sich die meisten Leute schon auf dem Rückweg: Wir konnten die Dünen-landschft deshalb ohne Gedränge genießen und z.B. den Käfer ansehen, dessen Spur schon nach wenigen Zenti-metern verweht wurde. Die große Düne wird vom Wind jährlich ca. 10 m nach Osten versetzt-- das war uns zu langsam, also ließen wir uns am Strand vor dem Wind zurück-

blasen, fanden dort (wie jedes Jahr) keinen Bernstein, be-trachteten aber jede Menge skurriles Strandgut und genossen die

Artistik eines Kite-Surfers, der sein Geschirr an-scheinend voll im Griff hatte.
Lückenlos schlossen sich Betrachtungen an, was wäre, wenn wir einen Kite einmal auf dem Boot ausprobieren könnten ...

Am Abend gingen wir quer durch Leba und aßen in einem kleinen Restaurant sehr gut Fisch, der (für uns ungewohnt) 10-Gramm-weise abgerechnet wird. Am nächsten Morgen machten wir uns sehr zeitig auf den Weg nach Gdansk (ehemals Danzig) in der Hoffnung, die rund 80 sm bis zum Abend zu schaffen. Am Anfang lief es gut, aber dann kam die Mittagsflaute und dauerte bis zum nächsten Morgen gegen 5 Uhr. Da der Wind natürlich von vorn kam, wurden es auch ein paar Meilen mehr, bevor wir in der Marina Gdansk mit Bb. Längsseite einer großen alten Segelyacht festmachen konnten.

Ort Datum Uhrzeit
Abfahrt Swinoujscie 13.06.08 10:18
Ankunft Gdansk 19.06.08 12:12
Motor Segel max. Fahrt
Diese Etappe 17 sm 234 sm 12,5 kn
bisher 25 sm 438 sm 13,0 kn